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Zervixinsuffizienz

Synonym: isthmozervikale Insuffizienz
Englisch: incompetent cervix

1 Definition

Bei einer Zervixinsuffizienz findet während der Schwangerschaft eine vorzeitige Verkürzung des Gebärmutterhalses (Cervix uteri) auf weniger als 2,5 cm bei gleichzeitiger Eröffnung und Erweichung des Muttermundes statt.

2 Ätiologie und Pathogenese

Die reine isthmozervikale Insuffizienz ist heute ein seltener Krankheitsprozess. Sie wurde früher vor allem bei Schwangerschaftsabbrüchen beobachtet. Durch die von der mechanischen Manipulation ausgehenden Traumatisierung der Cervix kam es häufig zur Schädigung des zervikalen Verschlussmechanismus. Die Liberalisierung und die dadurch entstande Möglichkeit zum frühzeitigen Schwangerschaftsabbruch, sowie die Anwendung von Prostaglandinen zur Dilatation der Cervix, haben dazu beigetragen, dass die reine isthmozervikale Insuffzienz kaum noch beobachtet wird.

Häufigste Ursache für die frühzeitige Öffnung des Muttermundes ist heutzutage eine, durch Infektionen bedingte, vorzeitige Wehentätigkeit. Besonders häufig sind Mütter bei Mehrlingsschwangerschaften betroffen. Die frühzeitige Ausdehnung des unteren Uterinsegmentes durch das vermehrte intrauterine Volumen, führt zur Verkürzung der Portio. Durch den erhöhten intrauterinen Druck wird die Uterusmuskulatur zu vermehrten Kontraktionen angeregt und damit die vorzeitige Eröffnung des Muttermundes eingeleitet.

3 Symptomatik

Falls eine überaus starke Wehentätigkeit, die nicht mehr mit wehenhemmenden Mitteln (Tokolytika) behandelt werden kann, gleichzeitig eine Zervixinsuffizienz vorliegt, kann es zur "überstürzten Geburt" kommen. Besonders gefährdet sind Mehrgebärende.

Erstgebärende sind nur in Ausnahmefällen betroffen, vor allem dann, wenn die Schwangerschaft verdrängt oder verheimlicht wurde und Wehen nicht richtig eingeschätzt werden können. Bei der überstürzten Geburt ist eine kontinuierliche Überwachung des Kindes mittels Kardiotokographie meist nicht mehr gewährleistet.

Da der kindliche Kopf viel zu rasch durch das mütterliche Becken durchtritt, besteht die Gefahr einer fetalen Hypoxie und intrakraniellen Blutungen des Kindes auftreten. Die kindliche Prognose wird in der Regel nicht verschlechtert.

Überstürzte Geburten verursachen häufig mütterliche Verletzungen wie Zervixriss, Scheidenriss, Labienriss und Dammriss, welche chirurgisch therapiert werden müssen.

4 Diagnostik

Die Inspektion und Palpation bei der klinischen Untersuchung sind zur Diagnosestellung meist ausreichend. Der vaginale Ultraschall und die Kardiotokographie können weitere Hilfestellung geben.

5 Therapie

Eine frühzeitige stationäre Einweisung sollte bei jedem Verdacht auf isthmozervikale Insuffzienz erfolgen - insbesondere bei drohender Frühgeburt.

Laut neuester Studienlage (2005) erscheint die Cerclage der Zervix keine geeignete Therapie zur Verhinderung der Frühgeburt zu sein. Sie ist daher nur in Ausnahmefällen indiziert.

Die vorzeitige Wehentätigkeit wird symptomatisch mit Tokolytika behandelt, bei nachgewiesener Infektion in Kombination mit Antibiotika. Risse von Zervix, Labien, Scheide, oder Damm werden chirurgisch versorgt.

Fachgebiete: Geburtshilfe, Gynäkologie

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