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Wundverschluss

Englisch: wound closure

1 Definition

Als Wundverschluss wird das primäre oder sekundäre chirurgische Verschließen einer Wunde bezeichnet. Dieses geschieht z.B. mittels einer Wundnaht (Einzelknopfnaht, Donati-Rückstichnaht). Alternativ können auch Wundklammern (Stapler), Gewebekleber oder andere Materialien zum Einsatz kommen.

Der Wundverschluss dient der Beschleunigung der Wundheilung.

2 Grundformen

2.1 Primärer Wundverschluss

Ein primärer Wundverschluss ist ein zeitnaher Verschluss einer frischen Wunde. Er darf nur unter speziellen Voraussetzungen durchgeführt werden:

  • die Verletzung ist nicht älter als 6-8 Stunden (diese Regel gilt nicht bei Verletzungen im Gesicht)
  • sauberer Wundgrund, keine Keim-, Fremdkörper- oder Schmutzkontamination
  • glatte Wundränder
  • gute Durchblutung des Wundgebietes
  • passende Wundlokalisation für einen primären Verschluss, spannungsfreier Verschluss muss unbedingt möglich sein!

2.2 Sekundärer Wundverschluss

Ein sekundärer Wundverschluss ist ein verzögerter, aufgeschobener Wundverschluss. Er wird häufig bei schweren Weichteilschäden, sowie bei offenen Frakturen eingesetzt. Weitere Indikationen sind ältere Wunden (mehr als 8 Stunden nach Verletzung), Bisswunden, Schusswunden und stark kontaminierte Wunden (z.B. Berufsverletzungen von Chirurgen, Tierärzten, Fleischern, Landwirten). Ein Vorteil des sekundären Wundverschlusses ist das Abklingen des posttraumatischen Ödems und die Formation von Granulationsgewebe. Nach 4-10 Tagen hat sich das Wundgebiet evtl. unter Vakuumversiegelung oder temporärem Hautersatz erholt und verkleinert und kann sekundär vernäht oder mit Hauttransplantaten gedeckt werden.

3 Weitere Formen

3.1 Temporärer Wundverschluss

Falls ein definitiver Wundverschluss nicht möglich ist, kommt ein temporärer (vorübergehender) Wundverschluss zum Einsatz. Temporäre Wundverschlüsse verwendet man u.a. bei:

Dabei verwendet man Hautersatzmaterialien oder PVA-Schwämme, die die Wunde abdecken und ein Eindringen von Keimen in die Wunde erschweren. Unter einem temporären Wundverschluss kann die Wundregeneration so weit fortschreiten, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein definitiver Verschluss möglich ist.

3.2 Plastischer Wundverschluss

Von einem plastischen Wundverschluss spricht man, wenn zur Deckung der Wunde Transplantate verwendet werden. Dabei kommen zwei verschiedene Verfahren zum Einsatz:

  • Freie Transplantate entnimmt man in Form von Spalthaut oder kleinen Hautinseln aus kosmetisch geeigneten Regionen und verpflanzt sie auf die Hautdefekte. Bis zum Einwachsen von Gefäßen werden sie durch Diffusion aus dem Wundgrund ernährt.
  • Gestielte Transplantate bleiben teilweise mit dem Entnahmeort in Verbindung und werden von dort aus ernährt. Nach dem Einheilen des Transplantats in der Wunde und der Etablierung einer kollateralen Blutversorgung durchtrennt man den Stiel. Gestielte Hauttransplantate verwendet man meist zur Deckung von tiefer liegenden Strukturen (Sehnen, Knochen) und für die Versorgung von Wunden mit schlechter Heilungstendenz, z.B. in vorher bestrahlten Regionen.

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Fachgebiete: Allgemeine Chirurgie

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