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Wehenschwäche

Synonym: Inertia uteri, echte Wehenschwäche
Englisch: inertia

1 Definition

Von Wehenschwäche spricht man, wenn die Wehen zu kurz, zu selten oder zu schwach (< 30 mm Hg) sind. Der Basaltonus der Wehen ist vermindert oder normal.

2 Einteilung

Tritt die Wehenschwäche bereits vor dem Beginn der Eröffnungsperiode auf, handelt es sich um eine primäre Wehenschwäche. Werden Wehen im Verlauf der Eröffnungsperiode und/oder Austreibungsperiode schwächer, spricht man von einer sekundären Wehenschwäche oder "Ermüdungswehenschwäche".

3 Ätiologie

3.1 Primäre Wehenschwäche

Die primäre Wehenschwäche kann verschiedene Ursachen haben, ist aber am häufigsten durch Medikamente und dystope Erregungsbildung bedingt.

3.1.1 Medikamente

Sedativa, Narkotika und andere Medikamente wirken kontraktionshemmend auf die glatte Muskulatur des Uterus und führen damit zur vollständigen Unterdrückung der Eröffnungswehen. Selbst normale Dosierungen können zur primären Wehenschwäche führen.

3.1.2 Dystope Erregunsbildung

Bei der dystopen Erregungsbildung werden die Wehen durch mehrere Schrittmacherzentren in der Gebärmuskulatur gleichzeitig getriggert. Im Gegensatz zur normotopen Wehentätigkeit, die von jeweils einem Schrittmacherzentrum in der Nähe der Tubenmündung generiert wird, sind die Eröffnungswehen bei dystoper Erregungsbildung unkoordiniert und daher unproduktiv. Nach dem Blasensprung oder bei fortschreitender Zervixdilatation, gehen diese unkoordinierten Wehen oftmals in koordinierte Wehen über.

3.2 Sekundäre Wehenschwäche

Die wichtigsten Ursachen für eine sekundäre Wehenschwäche sind die Überdehnung des Uterus und die protrahierte Geburt. Vor allem bei Mehrlingsschwangerschaften, aber auch bei Hydramnion und kindlicher Makrosomie findet sich eine Uterusüberdehnung. Bei mütterlichen Beckenanomalien, oder Anomalien der Lage, Einstellung und Haltung des Fetus, kommt es zur protrahierten Geburt.

4 Symptomatik und Diagnostik

Die verminderte Anzahl der Wehen (< 3 Wehen / 10min) und die zu geringe Wehenstärke bzw. Wehendauer fällt bereits bei Palpation des Uterus auf. Die interne Tokographie mittels Drucksonde, die am Kind vorbei in den Uterus geführt wird, liefert die genausten Messwerte, wird aber aufgrund ihrer Invasivität nur bei speziellen Indikationen eingesetzt.

Um die Wehenqualität zu Objektivieren, ist die externe Tokographie das geeignetste Verfahren. Bei dieser Methode wird ein mechanischer Druckabnehmer verwendet, der über dem Fundus uteri, der Schwangeren auf die Bauchhaut aufgesetzt wird. Die Häufigkeit und Dauer der Wehen kann gut festgestellt werden, Aussagen über Absolutwerte von Basaltonus und Druckamplitude sind aber der internen Tokographie vorbehalten.

5 Therapie

5.1 Primäre Wehenschwäche

Vor Behandlungsbeginn der primären Wehenschwäche muss ein Missverhältniss zwischen mütterlichem Becken und Kind ausgeschlossen werden. Weiterhin sollte vor dem Einsatz von Medikamenten versucht werden, durch Darm- und Blasenentleerung und leichte körperliche Bewegung die Wehentätigkeit anzuregen.

5.2 Sekundäre Wehenschwäche

Bei sekundärer Wehenschwäche wird ähnlich verfahren, außerdem kann versucht werden, bei Haltungs- und Einstellungsanomlien, durch wechselnde Umlagerung der Schwangeren, sowie durch die Einhaltung von Ruhe- und Schlafpausen, die Wehentätigkeit zu verbessern.

Bei beiden Formen der Weheninsuffizienz, ist die Gabe von Wehenmitteln (Oxytozin) indiziert.

Fachgebiete: Geburtshilfe, Gynäkologie

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