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Thiamin

Synonyme: Vitamin B1, Aneurin
Englisch: thiamine

1 Definition

Thiamin ist ein wasserlösliches Vitamin aus dem Vitamin-B-Komplex.

2 Struktur

Thiamin hat die Summenformel C12H17ClN4OS und enthält zwei stickstoffhaltige Ringsysteme. Im menschlichen Organismus kommt Thiamin in nativer oder in phosphorylierter Form als Thiaminmonophosphat (TMP), -pyrophosphat (TPP) und -triphosphat (TTP) vor.

3 Funktion

Das Thiamin hat in Pyrophosphat-Form wichtige Funktionen als Coenzym bei Decarboxylierungen durch bestimmte Enzyme wie zum Beispiel bei

und als Coenzym der Transketolase, einem wichtigen Enzym des Pentosephosphatzyklus.

Thiamintriphosphat (TTP) kommt in hoher Konzentration in Neuronen vor, an deren Axonen es die Funktionalität der Ionenkanäle aufrechterhält.

4 Vorkommen

Gute Thiaminquellen sind

  • Linsen
  • Erbsen
  • Bohnen
  • Grünkohl
  • (Vollkorn-)Getreide
  • Schweinefleisch

5 Bedarf

  • Frauen: 1,1 mg/d
  • Männer: 1,2 mg/d

6 Pathophysiologie

Da nur eine kleine Menge Thiamin im Körper gespeichert wird, kann dieser unter Umständen schon innerhalb von 14 Tagen abgebaut sein. Ein gravierender bzw. chronischer Thiamin-Mangel kann zu potentiell schwerwiegenden Komplikationen im Nervensystem/Gehirn, Muskeln, Herz und Magen-Darm-Trakt führen. Thiaminmangel resultiert u.A. in dem Krankheitsbild Beriberi, das verschiedene Verlaufsformen mit vordergründig neurologischer oder kardiologischer Symptomatik besitzt, das Krankheitsbild wird Wernicke-Enzephalopathie, Korsakow-Syndrom oder auch Wernicke-Korsakow-Syndrom genannt.

Die Symptome der Beriberi sind auf massive Störungen der Energieverwertung durch den Organismus zurückzuführen. Es kommt unter anderem zur Muskelschwäche, Herzversagen, Neuropathien und Zuständen von Verwirrtheit. Frühsymptome sind oft unspezifisch und vielfältig.

Thiaminmangelzustände treten in Ländern der Dritten Welt immer noch zu häufig auf, und werden in industrialisierten Ländern für selten gehalten. In den entwickelten Ländern sind jedoch u.A. betroffen/gefährdet:

  • Diabetiker: Bei Diabetikern wurde im Vergleich zu Gesunden eine um 75 Prozent geringere Thiaminkonzentration im Plasma aufgewiesen. Einsatz von hochdosiertem Thiamin, beziehungsweise seinem Vorläufer Benfothiamin, hat Erfolge gezeigt bei der Behandlung der diabetischen Retinopathie, Neuropathie und Nephropathie.
  • Senioren
  • Patienten mit Morbus Crohn
  • Unausgewogen ernährte Alkoholiker
  • Patienten beim Alkoholentzug

Zudem ist eine (vermutlich grosse) Dunkelziffer zu erwarten unter Personen deren Ernärhung einen großen Bestandteil an Produkten aus (fast) ausschließlich Auszugsmehl und viel Zucker enthält (unspezifische Frühsymptome).

Die Beriberi tritt in Ländern der Dritten Welt bei Verzehr von poliertem Reis (Schale enthält das Thiamin) als Hauptnahrungsmittel auf.

Erhöhter Thiaminbedarf besteht während der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Dialysepatienten und Fieberzuständen.

7 Therapie

Die Supplementation mit Thiamin, oder Benfothiamin, soll bei Patienten mit Thiaminmangel oder assoziierten Erkrankungen unter ärztlicher Aufsicht stattfinden.

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Fachgebiete: Biochemie

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