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Psychodynamik

1 Definition

Die Psychodynamik ist die Lehre vom Wirken innerseelischer Kräfte. Psychodynamische Modelle sind an der Psychoanalyse orientiert, aus der sich später die verschiedenen Schulen der Tiefenpsychologie entwickelt haben. Der Begriff psychodynamisch leitet sich von Sigmund Freuds Drei-Instanzen-Modell ab, in dem das Ich im dynamischen Spannungsfeld zwischen dem Über-Ich und dem Es steht.

2 Hintergrund

Psychodynamische Modelle nehmen an, dass psychischen Störungen unbewusste Konflikte und Beziehungsmuster zugrunde liegen, deren Wurzeln bereits in der Kindheit liegen können. Neben diesen unbewussten Konflikten ist im psychodynamischen Krankheitsmodell auch das Konzept der Abwehr ganz zentral.

Verwandt mit der Psychodynamik ist auch das wissenschaftshistorisch sehr alte Forschungsfeld der Psychophysik.

3 Medizinische Psychologie

3.1 Psychodynamische Persönlichkeitstheorie

Im traditionellen entwicklungspsychologischen Phasenmodell nach Freud werden für jedes Stadium der psychosexuellen Entwicklung bestimmte Konflikte beschrieben, die zumeist bewältigt werden. Misslingt die Bewältigung eines solchen phasenspezifischen Konfliktes, fixiert sich das Kind auf diese Phase. Dadurch wird einer der folgenden psychodynamischen Charaktertypen geprägt:

3.2 Psychodynamische Motivationstheorie

Bei der Untersuchung von Motivationen stellt der psychodynamische Ansatz unbewusste intrapsychische Konflikte in den Mittelpunkt. Diese entstehen, wenn widersprechende Motive aufeinander treffen. Häufige Beispiele sind demnach der Abhängigkeits-Autonomie-Konflikt oder der Ödipus-Konflikt.

3.3 Abwehr

Die Abwehr ist eine Möglichkeit des Ichs, mit unbewussten Triebregungen, inneren Konflikten und unerträglichen Gefühlen umzugehen. Abwehrmechanismen halten diese unangenehmen Zustände vom bewussten Erleben fern. Weil auch die Abwehr selbst unbewusst erfolgt, weiß der Mensch in der Regel gar nicht, dass er sich solcher Abwehrmechanismen bedient.

3.4 Sexuelle Störungen

Psychodynamische Erklärungsansätze beschreiben oben genannte Konflikte als mögliche Ursachen bzw. als Teil multikausaler Ursachenkomplexe von Beeinträchtigungen der sexuellen Reaktion. Demnach kann ein Ungleichgewicht zwischen Selbsthingabe und Selbstbehauptung, Nähe und Distanz bei intimer Annäherung Angst vor Kontrollverlust auslösen.

4 Psychodynamische Therapieformen

4.1 Psychodynamische Psychotherapie

in der praktizierten Psychotherapie finden psychodynamische Modelle insbesondere in Form der Psychoanalyse und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (TP) Anwendung. Psychodynamischen (psychoanalytisch begründeten) Verfahren gemeinsam ist die Annahme unbewusster psychischer Prozesse (Konflikte, Erlebens- und Handlungsmuster), die zu psychischen und körperlichen Beschwerden führen.

Therapieziel ist es heute, durch neue Erfahrungen in der therapeutischen Beziehung unbewusste Erlebensmuster zu verändern und die Konflikte zu lösen. Auch bei o.g. sexuellen Störungen kann eine solche psychodynamisch orientierte Therapie die verhaltenstherapeutische Paartherapie ergänzen.

In der operationalisierten psychodynamischen Diagnostik (OPD) unterscheidet man zwischen den Achsen Struktur und Konflikt:

4.1.1 Struktur

Die Achse Struktur beurteilt, wie gut das Ich funktioniert. Funktionen des Ich sind:

  • differenzierte, ganzheitliche und realistische Wahrnehmung von
    • sich selbst
    • anderen Menschen
  • Regulierung von Impulsen und Affekten
  • Kommunikation mit anderen Menschen
  • Eingehen stabiler Beziehungen

Bei Störungen dieser Funktionen liegt eine gering integrierte Ich-Struktur vor, z.B. bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

4.1.2 Konflikt

Die Achse Konflikt beurteilt, wie gut einander widerstrebende Bedürfnisse miteinander vereinbart werden. Beispiele für solche Konflikte sind:

  • Individuation vs. Abhängigkeit
  • Unterwerfung vs. Kontrolle
  • Versorgung vs. Autarkie

4.2 Psychodynamik in der Psychoonkologie

Auch in der Psychoonkologie spielen psychodynamische Ansätze eine wichtige Rolle. Neben der kognitiven Verhaltenstherapie und psychoedukativen Interventionen ist die psychodynamisch basierte supportiv-expressive Therapie die dritte große wichtige psychoonkologische Interventionsform. Um die Krankheitsbewältigung zu fördern, soll der Betroffene dabei unterstützt werden, sich mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen, Gefühle auszudrücken und einen Sinn zu finden.

5 Ausblick

Nach der sogenannten "kognitiven Wende" in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden Kognitionen als wichtige verhaltenssteuernde Faktoren angesehen. In jüngerer Vergangenheit ist die Lerntheorie noch einen Schritt weiter gegangen und erkennt auch unbewusste Lernprozesse an. Daher können möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft lerntheoretische und psychodynamische Modelle miteinander kombiniert werden.

6 Quellen

  • H. Faller, H. Lang: Medizinische Psychologie und Soziologie, 3. Auflage, 2010, Springer-Verlag

Fachgebiete: Psychiatrie, Psychologie

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