Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Nicorandil

Handelsnamen: Dancor®, Ikorel® u.v.a.
Englisch: nicorandil

1 Definition

Nicorandil ist ein oraler Vasodilatator aus der Gruppe der Kaliumkanalöffner, der eine Relaxation der Gefäßmuskelzellen von Arterien und Venen bewirkt.

2 Wirkmechanismus

Nicorandil ist ein Nicotinamid-Derivat mit einer Nitratgruppe. Der Wirkstoff bindet an die regulatorische Untereinheit des Sulfonylharnstoffrezeptors (SUR2) von ATP-abhängigen Kaliumkanälen in den Myozyten der Gefäße und steigert so die ATPase-Aktivität. Die Verminderung des zellulären ATPs öffnet die ATP-abhängigen Kaliumkanäle und führt zu einem Kaliumeinstrom und damit zu einer Hyperpolarisation der Gefäßmuskelzellen. Dadurch kommt es zu einer Relaxation der Gefäßmuskulatur und schließlich zu einer Vasodilatation. Die Hyperpolarisation führt außerdem zum Schließen von spannungsabhängigen Calciumkanälen und damit zu einer Reduktion des intrazellulären Calciums, was die Vasodilatation prolongiert.

Nicorandil zählt auch zu den Nitrovasodilatatoren, da es Stickstoffmonoxid (NO) freisetzt. Dies führt zur Aktivierung der Guanylatzyklase, welche die Synthese von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP) aus Guanosintriphosphat (GTP) katalysiert. Das cGMP aktiviert die Proteinkinase G, was die Myosin-leichte-Ketten-Phosphatase phosphoryliert und somit aktiviert. Diese dephosphoryliert das Myosin, womit es schließlich zur Relaxation kommt. Gleichzeitig wird durch NO die Thrombozytenaggregation gehemmt.

Nicorandil dilatiert die Gefäße also sowohl über eine Hyperpolarisation durch Kaliumeinstrom, als auch über eine Dephosphorylierung des Myosins durch einen cGMP Anstieg. Deshalb wirkt es sowohl im arteriellen (eher über K-ATP-Kanalöffnung) als auch im venösen (eher über NO) Gefäßsystem und senkt damit Vorlast und Nachlast des Herzens.

3 Pharmakokinetik

Der orale Vasodilatator wird enteral gut aufgenommen und hat dadurch eine relativ hohe Bioverfügbarkeit von circa 75%. Mit einer Plasmaproteinbindung von 25% und einem Verteilungsvolumen von circa 1,3 Liter/kg wird die maximale Plasmakonzentration bereits nach 30-60 Minuten erreicht. Nicorandil wird großteils hepatisch metabolisiert: nach einer Denitrierung, folgen die Metaboliten dem Nikotinamid-Stoffwechsel. Der Hauptmetabolit 2-Nicotinamidethanol wird überwiegend renal ausgeschieden mit einer Clearance von 1,1 Liter/min. Die Halbwertszeit von Nicorandil beträgt circa eine Stunde.

4 Indikationen

Nicorandilpräparate werden nur als Zweitlinientherapie verwendet. Indikationen sind:

Nicorandil scheint im Gegensatz zu anderen NO-Donatoren keine Nitrattoleranz zu induzieren.

5 Nebenwirkungen

Viele der folgenden Nebenwirkungen können durch die Vasodilatation der Gefäße erklärt werden:

6 Kontraindikationen

7 Zulassung

Nicorandil ist in Deutschland und den USA nicht zugelassen, jedoch in der Schweiz und Österreich.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

15 Wertungen (5 ø)

174 Aufrufe

Copyright ©2018 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: