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Lungenrundherd

Synonym: pulmonaler Rundherd

1 Definition

Ein Lungenrundherd ist ein umschriebenes, rundliches, intrapulmonal gelegenes Gebilde, welches eine Größe von 1 bis 4 cm aufweist. Trotz glattem oder unregelmäßigem Rand ist es per definitionem notwendig, dass die Begrenzung so scharf ist, dass eine Abmessung möglich ist. Erst dann darf von einem Lungenrundherd gesprochen werden.

2 Ätiologie

Lungenrundherde, welche einzeln oder in Vielzahl (multipel) vorkommen können, können unterschiedliche Ursachen haben. Sie können von diversen Entzündungen verursacht werden, von Tumoren gut- oder bösartiger Natur oder können Metastasen darstellen. Zudem kann es sich um Abkapselungen, zum Beispiel von Granatsplittern, oder Schrotgewehrmunition handeln, die ebenfalls als Lungenrundherd imponieren können.

Unter die entzündlichen Lungenrundherde, welche ca. 50% der Lungenrundherde ausmachen, zählen Infektgranulome wie man sie oft bei der Tuberkulose findet, Lungenabszesse und Aspergillome, auch als Myzetome bezeichnet. Infektgranulome finden sich unter anderem bei Parasitenbefall wie der Echinokokkose.

Endzündlicher Genese können Lungenrundherde auch bei immunologischen und entzündlichen Grunderkrankungen sein. So finden sich solche Lungenrundherde bei der Sarkoidose, dem Morbus Wegener, beim Sjögren-Syndrom oder bei einer Vaskulitis.

Tumoren als Genese der Lungenrundherde können maligne oder benigne Lungenrundherde hervorbringen.

2.1 Maligne Tumorenese

Solitäre maligne Lungenrundherde finden sich beim Bronchialkarzinom mit 30%, beim Bronchuskarzinoid mit 2% und bei Lungenmetastasen. Multiple maligne Lungenrundherde lassen Rückschlüsse zu auf Lymphome, Plasmozytome, lymphatoide Granulome und Metastasen.

2.2 Benigne Tumorgenese

Unter den benignen Tumoren mit Lungenrundherden finden sich Hamartome, Chondrome, Leiomyofibrome und juvenile Papillome.

Anderer Genese sind Lungenrundherde bei Hämatomen, Randatelektasen, Lungeninfarkten, Amyloidomen, Schleimverschlüssen, arteriovenösen Malformationen, Pneumokoniosen und Bronchiektasen.

3 Klinik

In der Regel sind Lungenrundherde Zufallsbefunde im Rahmen der konventionellen Radiologie. Eine klinische Symptomatik zeigen Lungenrundherde oft erst sehr spät und abhängig von ihrer Größe, ihrer Lokalisation und ihrer Genese. Es gibt uncharakteristische klinische Beschwerden wie Dyspnoe oder Husten oder atemabhängige thorakale Schmerzen bei Verwachsung mit der Pleura. Bei Infektgranulomen, Tumoren und vaskulitischen Lungenrundherden zeigen sich häufig Lungenblutungen.

4 Diagnostik

Nach Diagnostizierung des Lungenrundherdes im konventionellen Röntgenbild erfolgt eine Computertomographie der Lunge sowie in Abhängigkeit vom Rundherd eine Bronchoskopie mit Biopsie. Auch eine transthorakale Biopsie kann je nach Rundherdlage durchgeführt werden. Des weiteren kommt die Labordiagnostik hinzu. Je nach Verdacht werden Tumormarker, Serologie und Allgemeinlabor ergänzt.

5 Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Genese des Lungenrundherdes. Entzündliche Granulome werden antibiotisch therapiert. Stabile Infektgranulome bedürfen keiner Therapie. Bei zugrundeliegender Immunerkrankung tritt die Therapie der Immunerkrankung an erste Stelle. Metastasen und Tumoren werden entsprechend ihrer Tumorentität chirurgisch oder chemo- und strahlentherapeutisch behandelt. Die klinischen Symptome werden zudem je nach Ausprägung symptomatisch behandelt.

Fachgebiete: Radiologie

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