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Jodothyronin

Englisch: Iodothyronines

1 Definition

Als Jodothyronine werden diejenigen Schilddrüsenhormone bezeichnet, die in Form jodhaltiger Amine aufgebaut sind.

2 Biochemie

Zu den Jodothyronin zählen die klassischen Schilddrüsenhormone:

sowie die folgenden, nicht-klassischen Schilddrüsenhormone, die durch regulierte Dejodierung aus den klassischen Schilddrüsenhormonen gebildet werden:

Durch Desaminierung entstehen aus Jodothyroninen Jodothyroacetate, z.B. TRIAC und TETRAC. Thyronamine werden durch Decarboxylierung gebildet.

3 Physiologie

3.1 Funktion

Die beiden jodhaltigen Amine Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) steuern die Stoffwechselaktivität und die Differenzierung des Organismus.

3.2 Stoffwechsel

T4 wird in den Follikelzellen der Schilddrüse gebildet. Es wirkt überwiegend als Prohormon, wird aber sowohl in der Schilddrüse als auch in peripheren Organen (u. a. der Leber) in das wirksamere T3 umgewandelt. Die Aktivität der abbauenden Enzyme ist vielfältigen Seuerungseinflüssen unterworfen, so dass das Muster der Abbauprodukte je nach Funktionszustand des Organismus variieren kann. Ein Beispiel ist die Stimulation der Reverse-T3-Bildung bei kritisch kranken Patienten (NTIS im Stadium des Low-T3-Syndroms).

3.3 Regulation

Jodothyronine haben einen starken Einfluss auf nahezu alle Funktionen des Organismus. Daher wird ihre Bildung durch einen komplexen mehrschleifigen Regelkreis (thyreotroper Regelkreis) gesteuert.

3.4 Transport

Die lipophilen Jodothyronine sind im Plasma nur schwer löslich. Sie binden daher an unterschiedliche Transportproteine (insbesondere thyroxinbindendes Globulin, Transthyretin und Albumin). Obwohl sie als lipophile Substanzen auch rein passiv durch die Zellmembran treten könnten, wurden bis jetzt am Menschen bereits 10 verschiedene aktive, energieabhängige und regulierbare Transporter (humane Iodothyronintransporter) beschrieben. Durch diesen aktiven Transport liegt der Jodothyroninspiegel intrazellulär höher als im Blutplasma oder im Interstitium.

4 Klinik

4.1 Pathophysiologie

Eine Überversorgung des Organismus mit Jodothyroninen wird als Thyreotoxikose bezeichnet, ein Mangel als Hypothyreose.

4.2 Substitutionstherapie

Eine Substitutionstherapie im Falle einer Hypothyreose kann in den allermeisten Fällen oral erfolgen. Meist genügt es, Levothyroxin zu substituieren, daraus wird T3 in den peripheren Organen gebildet. Bei der Therapie muss beachtet werden, dass T4 als Substanz kritischer Dosierung eine geringe therapeutische Breite besitzt und dass es vielfältigen Einflüssen auf Bioverfügbarkeit und Pharmakokinetik unterliegt. Daher ist u. a. ein regelmäßiges biochemisches Monitoring (i. d. R. durch TSH-Kontrollen) unerlässlich.

5 Literatur

  1. Brokken LJ, Scheenhart JW, Wiersinga WM, Prummel MF.: Suppression of serum TSH by Graves' Ig: evidence for a functional pituitary TSH receptor. J Clin Endocrinol Metab. 2001 Oct;86(10):4814-7. PMID 11600546
  2. Dietrich, J. W., A. Tesche, C. R. Pickardt, U. Mitzdorf: Thyrotropic Feedback Control: Evidence for an Additional Ultrashort Feedback Loop from Fractal Analysis. Cybernetics and Systems 2004; 35(4): 315-31. DOI 10.1080/01969720490443354
  3. Dietrich, J. W., K. Brisseau und B. O. Boehm (2008). "Resorption, Transport und Bioverfügbarkeit von Schilddrüsenhormonen." Deutsche Medizinische Wochenschrift 133 (31/21): 1644-8. PMID 18651367

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