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Schleudertrauma

(Weitergeleitet von Halswirbelsäulendistorsion)

Synonyme: Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule (HWS-BT), Peitschenschlagsyndrom, HWS-Distorsion, Halswirbelsäulendistorsion
Englisch: whiplash injury

1 Definition

Ein Schleudertrauma ist eine traumatisch bedingte Weichteilverletzung im Bereich der Halswirbelsäule.

2 Ursachen

Zu den häufigsten Ursachen eines Schleudertraumas gehören Verkehrsunfälle. In der Regel handelt es sich dabei um Auffahrunfälle. Daneben spielen Sport- und Freizeitunfälle ein Rolle, vor allem Kampfsportarten.

3 Symptome

Die Symptome des Schleudertraumas treten in der Regel nach einer gewissen Latenzzeit auf, die interindividuell sehr unterschiedlich ist und einige Stunde bis Tage betragen kann. Zu den typischen Symptomen zählen:

Die Ausprägung bzw. Stärke dieser Symptome ist sehr variabel. Zusätzlich können auftreten:

In schweren Fällen sieht man weitere neurologische Symptome, wie Vigilanzstörungen, Desorientiertheit oder Gangunsicherheit.

4 Einteilung

Zur Unterscheidung der Schweregrade wird häufig die Klassifikation der Québec Task Force (QTF) genutzt.[1][2]

Grad Klinik
0 keine Beschwerden, keine Symptome
I Nackenbeschwerden, Steifheit des Nackens
II Nackenbeschwerden und Muskelverspannung, Bewegungseinschränkung
III Nackenbeschwerden und neurologische Befunde
IV Nackenbeschwerden und Fraktur oder Dislokation

5 Therapie

Die Therapie des Schleudertraumas ist in der Regel konservativ. Die lange Zeit beliebte Anwendung einer Halskrawatte (Schanz'sche Krawatte) wird mittlerweile nicht mehr empfohlen, da eine zu lange Ruhigstellung zu Funktionseinschränkungen der Halsmuskulatur führt. Statt dessen kommen physiktherapeutische Maßnahmen mit aktiven Bewegungsübungen zum Einsatz.

Eine intensive Aufklärung und Beratung des Patienten wirkt dabei einem Vermeidungsverhalten entgegen und kann die Chronifizierung verhindern.[3]

5.1 DGN-Leitlinie

Die S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) enthält u.a. folgende Therapieempfehlungen:[4]

  • fast immer konservativ, allenfalls einige Tage immobilisierend, dann aktivierend; aktive Einbeziehung des Patienten in die Therapie
  • ausreichende, aber befristete (üblicherweise nicht länger als 4 Wochen) Analgesie, z.B. auch mit nicht steroidalen Antirheumatika (z.B. Paracetamol 1,5 g/d, ASS 1 g/d, Diclofenac 150 mg/d, Ibuprofen 600 mg/d, Naproxen 1 g/d). Bei Chronifizierung schmerzmodulierende Medikation wie Antidepressiva (z.B. Amitriptylin 25–150 mg/d); auch Lidocain i.m. Die Dosierungen sind individuell anzupassen.
  • ggf. zusätzliche, befristete (üblicherweise nicht länger als 2 Wochen) Gabe von Muskelrelaxanzien oder ausnahmsweise Methylprednisolon (innerhalb von 8 Stunden für wenige Tage, auch i.v.). Die Dosierungen sind individuell anzupassen.
  • ggf. lokale Wärme oder "Cold-Pack", Massagen, Elektrotherapie, später aktive Bewegungs- und Lockerungsübungen
  • bei neurologischen Ausfällen gezielte Physiotherapie und engmaschige Kontrolle
  • konsequente psychische Führung (Psychoedukation) unter Hinweis auf die fast immer günstige Prognose, im Bedarfsfall engmaschige Wiedervorstellungen
  • bei kompliziertem Verlauf, insbesondere drohender Chronifizierung, erweiterte fachärztliche Anamnese bezüglich psychosozialer Belastungsfaktoren und zusätzlicher oder bereits vor dem Trauma bestehender Körpersymptome, um eine somatoforme Schmerzstörung oder eine auf den Unfall bezogene psychoreaktive Störung frühzeitig erkennen und ggf. multimodal unter Einbeziehung psychotherapeutischer Verfahren behandeln zu können
  • Krankschreibungen nur kurzfristig (zunächst max. 3 Wochen), notfalls wiederholt, basierend auf körperlichen Befunden und dem Einzelfall angepasst
  • bei schwerwiegenden Verletzungen des Zentralnervensystems (Querschnittsymptomatik) neurochirurgisches Konsil
  • bei schwerwiegenden Verletzungen des Bewegungsapparats (Fraktur, erhebliche Instabilität) orthopädisches Konsil
  • bei komplexerer und langanhaltender Symptomatik multimodale und interdisziplinäre Therapie nach stringentem Konzept, z.B. Kombination von Antidepressiva, kognitiver Verhaltenstherapie und Physiotherapie oder Koordinationsübungen

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

6 Quellen

  1. Spitzer WO, Skovron ML et al.: Scientific Monograph of the Quebec Task Force on Whiplash-Associated Disorders, Redefining Whiplash and its Management. Spine 1995;20(8 Suppl):1S-73S.
  2. Clinical guidelines for best practice management of acute and chronic whiplash-associated disorders (PDF) (November 2008).
  3. Chronisches Schleudertrauma: Kurze Beratung und Physiotherapie gleichwertig, Deutsches Ärzteblatt, News Medizin (04.04.2014)
  4. Online-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule (Entwicklungsstufe: S1, Stand: September 2012)
Das im Artikel erwähnte Tetrazepam ist zumindest in Deutschland seit 2013 nicht mehr im Handel, siehe den betreffenden Artikel.
#1 am 18.11.2016 von Herbert Mey (Gesundheits- und Krankenpfleger)

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