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Persistierender Ductus Botalli

(Weitergeleitet von Ductus Botalli apertus)

Synonyme: Persistierender Ductus arteriosus, Ductus (arteriosus) botalli apertus
Englisch: patent ductus arteriosus, PDA

1 Definition

Der persistierende Ductus Botalli stellt eine nach der Geburt vorliegende pathologische Persistenz der Verbindung zwischen Aorta und Truncus pulmonalis (Ductus Botalli) dar. Die Erkrankung zählt zu den angeborenen Herzfehlern.

2 Pathogenese

Physiologischerweise verschliesst sich der Ductus Botalli in den ersten zwei Tagen nach der Geburt durch funktionelle Mechanismen (Erhöhung des Druckes im großen Kreislauf) und verödet bindegewebig durch Intimaproliferation und Fibrosierung nach etwa 4-8 Wochen.

Die Verzögerung des Verschlusses ist bei Frühgeborenen häufiger. Als Ursache werden Hypoxien und erhöhte Prostaglandinspiegel angesehen.

  • CAVE: Bei Verabreichung an NSAR (Hemmung der Prostaglandinsynthese) im dritten Trimenon der Schwangerschaft droht daher ein vorzeitiger Verschluss des Ductus Botalli.

3 Symptomatik

Das Ausmaß der Symptomatik hängt von der funktionellen Kapazität der verbleibenden Öffnung ab. Kleinere Öffnungen beeinflussen die Hämodynamik unwesentlich und sind daher in der Regel asymptomatisch.

Große Öffnungen führen zu einem Links-Rechts-Shunt und damit zu einer linksventrikulären Volumenbelastung, sowie zu einer Volumenzunahme im Lungenkreislauf. Je nach Größe des Defekts kann die Volumenbelastung bis zu 70% des Herzminutenvolumens betragen. In der Folge kann es zum Riss kleiner Blutgefäße in Herz und Lunge und damit zu einer Herzinsuffizienz kommen.

Durch den Links-Rechts-Shunt strömt Blut ständig aus der Aorta in den Truncus pulmonalis und von dort durch den Lungenkreislauf zurück in das linke Herz. Durch dieses ständig erhöhte Blutvolumen erklärt sich die linksventrikuläre Volumenbelastung. Die Sauerstoffsättigung des Blutes in den Pulmonalarterien ist daher gegenüber dem rechten Ventrikel erhöht. Der große Kreislauf erhält hingegen zu wenig Blut - er wird insuffizient. Der tastbare Puls ist schnell und hochamplitudig (Pulsus celer et altus).

Die Kreislaufinsuffizienz führt zu einer Minderversorgung peripherer Körperregionen. Betroffene Kinder gedeihen schlecht, sind nicht belastbar und haben häufig kalte Extremitäten. Die Mangelversorgung kann sich insbesondere bei Frühgeborenen ungünstig auswirken.

4 Diagnostik

Ein großer persistierender Ductus führt als klinisches Leitsymptom zu einem charakteristischen Herzgeräusch.

In der Systole findet sich ein Geräusch mit Crescendo-Charakteristik, in der Diastole ein Geräusch mit Decrescendo-Charakteristik. Häufig ist auch ein Schwirren tastbar.

Ein kleiner Ductus botalli apertus führt lediglich zu einem systolischen Herzgeräusch.

In der Echokardiographie gelingt mithilfe der Dopplersonographie die direkte Darstellung des Blutflusses durch den offenen Ductus Botalli.

Im EKG zeigen sich Zeichen der linksventrikulären Volumenbelastung. Im Röntgen-Thorax ist das linke Herz breiter und eventuell die Lungengefäßzeichnung vermehrt.

4.1 Differentialdiagnose

Ein aortopulmonales Fenster kann echokardiographisch abgegrenzt werden.

5 Therapie

Ein persistierender Ductus botalli sollte stets verschlossen werden, da auch kleine Öffnungen zu einem erhöhten Endokarditisrisiko führen.

Bei Frühgeborenen wird in der Regel immer ein Therapieversuch durch die Gabe von Indometacin (NSAR) unternommen.

Gelingt der Verschluss nicht auf diese Weise kann im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung interventionell eine Metallspirale (Coil) zum Verschluss des Ductus Botalli eingebracht werden. Nach erfolgtem Verschluss ist die Prognose des Neugeborenen unverändert zur Normalpopulation.

Timo
Hat jemand eine Erklärung, warum ein PDA das Endokarditis Risiko erhöht? Mir fällt beim besten Willen keine ein, noch finde ich eine Erklärung dazu :-(
#3 am 09.12.2016 von Timo (Student der Humanmedizin)
Hallo Herr Stelter, wenn Sie Fehler in Artikeln entdecken, freuen wir uns, wenn Sie sie selbst verbessern. Das Flexikon ist ein Mitmach-Service, bei dem sich jeder beteilgen kann. Falls Sie Fragen zum Bearbeiten von Artikeln haben, können Sie sich gerne an mich wenden. Viele Grüße
#2 am 11.12.2015 von Dr. Carina Hönscher
Ein kleiner Ductus muss nicht verschlossen werden, es ist nach den aktuellen Richtlinien keine Endokarditisprophylaxe erforderlich!
#1 am 10.12.2015 von Jan Christian Stelter (Arzt)

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