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Darmvorsorge

1 Definition

Unter Darmvorsorge versteht man eine Gruppe diagnostischer Maßnahmen, die zur Frühentdeckung maligner Tumoren des Darms oder ihrer Vorstufen dienen.

2 Hintergrund

Frühzeitig entdeckte Karzinome des Darms haben eine sehr gute Heilungschance. Da sie sich zu 95% aus Vorstufen, den sogenannten adenomatösen Polypen entwickeln - auch Adenome genannt, die 8-10 Jahre brauchen, um bösartig zu werden, lässt sich durch geeignete Maßnahmen Dickdarmkrebs nicht nur frühzeitig erkennen, sondern sogar verhindern, was tatsächlicher Vorsorge entspricht.

3 Epidemiologie

Während bösartige Erkrankungen des Afters (Analkarzinom) extrem selten sind, stellt das Dickdarmkarzinom mit jährlich ca. 80.000 Neuerkrankungen (BRD) die zweithäufigste Krebserkrankung dar. Das Risiko im Laufe seines Lebens an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken, liegt bei etwa 5 %, ist allerdings unterhalb des 40-sten Lebensjahres, sofern keine spezifische Risikofaktoren vorliegen, äußerst gering, und auch nur 10 % der Betroffenen sind jünger als 50 Jahre. Der Häufigkeitsgipfel liegt bei 65 Jahren.

4 Maßnahmen

4.1 Digitale Untersuchung

Obwohl sich mit dem Finger nur etwa 10% aller Polypen und bösartigen Veränderungen ertasten lassen, sollte die unaufwendige digital-rektale Untersuchung von After und Enddarm ab dem 4. Lebensjahrzehnt zu jeder urologischen und gynäkologischen Untersuchung sowie zum hausärztlichen Check-up gehören.

4.2 Hämoccult-Test

Jährliche Stuhltests zum Nachweis von okkultem Blut gehören seit über drei Jahrzehnten ab dem 45. Lebensjahr (seit 2002 ab dem 50. Lebensjahr) zum gesetzlichen Krebsfrüherkennungs- programm. Viele Studien konnten zeigen, dass mit dem chemischen Hämoccult-Test eine deutliche Reduktion der Sterblichkeitsrate (15-33%) erzielt werden konnte, was vor allem der Erkennung von Krebs in frühen Stadien geschuldet ist. Da sich nicht alle gutartigen oder bereits bösartigen Polypen durch eine ausreichende Menge an Blutspuren zu erkennen geben, ist die Sensitivität des Tests jedoch gering, d.h. die Rate falsch-negativer Befunde ist hoch, und beträgt mehr als 60%. Krebsvorstufen werden sogar in nur 10% der Fälle erkannt.

Immunologische Tests, die von den Krankenkassen nicht getragen werden, konnten zwar die Sensitivität deutlich verbessern – zudem sind sie ernährungsunabhängig, da sie zwischen tierischem und menschlichem Blut unterscheiden –, beiden Screeningverfahren haftet jedoch neben der eingeschränkten Empfindlichkeit das Problem einer hohen Anzahl falsch-positiver Befunde an (über 30%). Unsichtbares Blut hat häufig harmlose Erkrankungen wie kleine Einrisse oder Hämorrhoiden als Ursache. Ein positiver Befund verursacht nicht nur – und u.U. immer wieder erneut – Aufregung und Angst, sondern zieht zur weiteren Klärung zwangsläufig eine Koloskopie nach sich.

4.3 Koloskopie

Im Gegensatz zu den genannten indirekten Screeningverfahren, die nur eine mäßige Trefferquote haben und bei positivem Befund nur in Verbindung mit einer Koloskopie echte Prävention bedeuten, lassen sich bei einer Koloskopie Karzinome und Adenome mit nahezu 100%iger Sicherheit erkennen. Und indem gleichzeitig – falls vorhanden – Vorstufen entfernt werden, wird verhindert, dass aus ihnen Krebs entsteht, also effektive Vorbeugung betrieben. Studien der letzten 10 Jahre haben gezeigt, dass sich durch regelmäßige Koloskopien in festgelegten Abständen das Auftreten kolorektaler Karzinome um 76% und die Sterblichkeitsrate um 90% senken lassen.

Darmspiegelungen sind weit weniger unangenehm als befürchtet. Dank Propofol, einem Hypnotikum, das gespritzt wird, geht die Untersuchung in einer Art Dämmerschlaf am Patienten vorbei. Wenn notwendig wird Propofol in Verbindung mit einem Schmerzmittel gegeben.

Die zur Darmentleerung erforderliche Trinkmenge hat sich nicht nur gesenkt, auch ihr Geschmack hat sich verbessert. Bei erfahrenen Untersuchern ist die Komplikationsrate heute äußerst gering.

Will man sich derzeit mit höchstmöglicher Sicherheit schützen, Darmkrebs zu entwickeln, sollte man sich nicht scheuen, sich zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr – wenn das Erkrankungsrisiko beginnt, relevant zu werden – einer ersten Koloskopie zu unterziehen, und diese in definierten Intervallen zu wiederholen (Im gesetzlichen Vorsorgeprogramm ist die Vorsorgekoloskopie ab dem 55. Lebensjahr verankert). Der jährliche Stuhltest wird damit hinfällig.

Vorausgesetzt, der Darm erscheint bei der Erstkoloskopie unauffällig, genügen Kontrollkoloskopien im Abstand von 10 Jahren. Finden sich Adenome, so verkürzt sich der Abstand auf 5, ggf. auf 2-3 Jahre, abhängig von Größe, Zahl und Qualität der Adenome.

Da bei erstgradigen Verwandten eines Familienmitglieds, das Darmkrebs entwickelte (familiäre Karzinombelastung), ein um das Doppelte erhöhtes Risiko zu bestehen scheint, schon in jüngeren Jahren ebenfalls an einem Darmkrebs zu erkranken, sollte die erste Vorsorgekoloskopie frühzeitig erfolgen, mindestens 10 Jahre vor dem Alter, in dem das Familienmitglied erkrankte. Dies gilt auch für den Fall, dass bei einem Verwandten lediglich ein großes oder mehrere Adenome entfernt wurden.

Die Ursachen familiärer Karzinombelastung sind unklar. Erblicher Darmkrebs ist sehr selten und tritt meist im Rahmen komplexer Krankheitsbilder auf. Erkrankt ein Familienmitglied sehr jung an einem Karzinom, so sollte man auf jeden Fall eine diesbezügliche Abklärung vornehmen lassen.

Virtuelle Koloskopien mittels Computertomografie (CT) sind ungenauer und wegen der Strahlenbelastung nicht als Screeningmethode zugelassen; mittels Magnetresonanztomografie sind sie zu aufwendig und zu teuer. Die Videokapsel-Koloskopie ist nur an bestimmten Zentren möglich und steckt noch in der Erprobung, was ihre Zuverlässigkeit betrifft. Auch hat sie den Nachteil, eventuelle Polypen nicht im gleichen Untersuchungsgang entfernen zu können.

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