Das Medizinlexikon zum Medmachen
Mach Med! Schreibe Artikel und teile Dein Wissen
Mach Med!
Schreibe Artikel und
teile Dein Wissen
Jetzt starten

Cochlea-Implantat

Englisch: cochlear implant

Inhaltsverzeichnis

1 Definition [bearbeiten]

Unter einem Cochlea-Implantat versteht man eine elektronische Hörprothese, die in der Lage ist, die Funktion des Innenohres zu ersetzen.

2 Aufbau [bearbeiten]

Das Cochlea-Implantat setzt sich aus zwei Teilen zusammen.

2.1 Sprachprozessor [bearbeiten]

Der Sprachprozessor wird extern angebracht. Er besteht aus einem Mikrophon, über das die Aufnahme des Schalls erfolgt, sowie einem Audioprozessor, der die auditorische Information, die übertragen werden soll, in elektrische Impulse umwandelt. Der Audioprozessor nutzt Radiowellen, um die Information durch die Haut an das Implantat weiterzugeben. Zusätzlich wird eine Batterie zur Energieversorgung benötigt.

2.2 Implantat [bearbeiten]

Das Implantat verfügt über eine Empfangsspule, die die elektrischen Impulse des Sprachprozessors aufnimmt. Die Spule kann die Impulse dekodieren und gibt sie dann an die einzelnen Elektroden, die sich in der Scala tympani befinden, weiter. Die Energieversorgung erfolgt durch den Sprachprozessor per transkutaner Induktion.

3 Implantation [bearbeiten]

3.1 Voruntersuchung [bearbeiten]

Im Rahmen der Voruntersuchung wird nach der Ursache der Taubheit gesucht sowie die funktionelle und morphologische Integrität von Hörnerv und Hörbahn mit Hilfe der Computertomographie, der Magnetresonanztomographie und des Promontoriumtests überprüft. Weiterhin sollte die psychosoziale Situation des Patienten abgeklärt und der allgemeine Entwicklungs- und Sprachentwicklungsstandes des Kindes untersucht werden.

3.2 Durchführung [bearbeiten]

Vor der Implantation erfolgt eine Mastoidektomie. Das Implantat kann anschließend unter der Haut in den ausgebohrten Knochen eingebracht werden. Es folgt die Eröffnung der basalen Schneckenwindung und das Vorschieben der Elektrode in die Scala tympani.

3.3 Nachsorge [bearbeiten]

Nach beendeter Wundheilung wird der Sprachprozessor individuell eingestellt. Es erfolgen ein Hör- und Sprachtraining. Zur Erkennung von technischen Defekten und zur Einbringung von Neuerungen werden lebenslang technische Kontrollen durchgeführt.

4 Funktion [bearbeiten]

Ein akustischer Reiz führt zu einer Reizung bestimmter Abschnitte der Basilarmembran und der entsprechenden Ganglienzellen des Hörnervens. Man spricht auch von tonotoper Reizung. Die Information gelangt dann über den Hörnerven ins Gehirn.

Die zeitliche Struktur einer akustischen Information spiegelt sich in der Reizrate der einzelnen Elektroden wieder.

5 Indikation [bearbeiten]

Voraussetzung für die Implantation ist ein intakter Hörnerv und eine intakte zentrale Hörbahn. Eine Indikation für ein Cochlea-Implantat besteht bei einer beidseitigen cochleären Taubheit. Auch wenn das Resthörvermögen durch ein Hörgerät nur unzureichend gesteigert werden kann und Sprachverstehen und Spracherwerb nicht möglich sind, ist ein Cochlea-Implantat indiziert.

Das Cochlea-Implantat sollte bei prälingualer Taubheit bereits im ersten Lebensjahr, spätestens jedoch im Vorschulalter eingesetzt werden, da zu diesen Zeitpunkten die besten Ergebnisse, d.h. ein normaler Hör- und Spracherwerb, möglich sind.

Aufgrund der Deprivation der zentralen Hörbahn ist das Cochlea-Implantat für taub geborene Erwachsene nur von geringem Nutzen.

Bei postlingualer Taubheit sollte die Implantation möglichst innerhalb von einem Jahr erfolgen, um ein gutes Ergebnis zu erreichen.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melden Sie sich bitte an.

Letzte Autoren des Artikels:

userImage

Sebastian Merz

Student der Humanmedizin

userImage

Astrid Högemann

Studentin der Humanmedizin

10 Wertungen (2.7 ø)
Teilen

5.541 Aufrufe

userImage

Georg Graf von Westphalen schreibt seit dem 8.10.2003 im Flexikon, hat bereits 870 neue Artikel publiziert und 4307 Artikeldetails verbessert.

Autor werden

Das Flexikon enthält bereits 37.946 Artikel - jetzt mitmachen & weitersagen!