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Bandscheibenvorfall

(Weitergeleitet von Bandscheibenprolaps)

Synonyme: Prolapsus nuclei pulposi, Prolaps disci, Diskusprolaps, Diskushernie, auch Bandscheibenprolaps, BSP, BSV
Englisch: spinal disc herniation, herniation of intervertebral disk

1 Definition

Unter einem Bandscheibenvorfall versteht man die plötzlich oder langsam zunehmende Verlagerung, bzw. den Austritt von Gewebe des Nucleus pulposus der Bandscheibe, nach dorsal oder zu den Seiten. Dabei kann es zu einer Kompression des Rückenmarks oder der Nervenwurzeln kommen.

2 Pathogenese

Der Bandscheibenvorfall ist eine Form der degenerativen Wirbelsäulenerkrankung. Durch degenerative Veränderungen der Zwischenwirbelscheibe und anliegenden Strukturen (Diskose, Spondylose, Bandscheibenprotrusion) kommt es zu Einrissen des Anulus fibrosus. Dadurch wird ein Vorfallen des Gallertkerns (Nucleus pulposus) der Zwischenwirbelscheibe möglich.

Eine reine Vorwölbung der Zwischenwirbelscheibe bei sonst intaktem Anulus fibrosus wird als Bandscheibenprotrusion bezeichnet und kann einen Bandscheibenvorfall vortäuschen. Die Bandscheibenprotrusion ist jedoch im Gegensatz zum Bandscheibenprolaps voll rückbildungsfähig.

3 Klinik

Bandscheibenvorfälle entstehen meistens in klassischer Lokalisation in den unteren Abschnitten der Lendenwirbelsäule und führen zu verschiedenen Ausprägungen eines Nervenwurzelsyndroms. Man unterscheidet zum Beispiel nach der betroffenen Nervenwurzel:

Bei dorsolateralem Vorfall der Bandscheibe entwickelt sich eine Lumboischialgie, ein dorsomedialer Bandscheibenvorfall führt zur Lumbago (Hexenschuss).

Eine deutlich seltenere Form des Bandscheibenvorfalls ist der Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule.

4 Diagnostik

4.1 Klinische Untersuchung

Basis der Diagnostik ist eine gründliche neurologische Untersuchung, um Lähmungen, Taubheitsgefühle und Reflexdifferenzen erkennen können. Bei der klinischen Untersuchung werden u.a. folgende klinische Zeichen überprüft:

4.2 Bildgebung

Eine Röntgenaufnahme oder Computertomografie des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts gibt Aufschluss über die knöchernen Strukturen und den Wirbelkanal.

Das wichtigeste Diagnoseverfahren ist die Kernspintomografie. Mit ihrer Hilfe können die Größe, Ausdehnung und Form eines Bandscheibenvorfalles, sowie Informationen über die betroffenen Nerven gesammelt werden. Die Schnittbilder ermöglichen auch die Beurteilung des Wirbelkanals und der Nervenkanäle.

Mit Hilfe des MRT lassen sich relativ genaue Aussagen über degenerative Veränderungen im Bereich der Bandscheibe und der Wirbelgelenke treffen. Auch Tumoren sind gut erkennbar.

5 Differentialdiagnose

6 Therapie

Die meisten Bandscheibenvorfälle sind symptomlos und bedürfen keiner speziellen Behandlung. 80-90% der Bandscheibenvorfälle lassen sich konservativ behandeln, wobei hier v.a. die adäquate Schmerztherapie entscheidend ist.

In Fällen, in denen so genannte "Red-flag-Symptome" auftreten, besteht jedoch Handlungsbedarf. Zu den Red-flag-Symptomen zählen:

6.1 Operative Verfahren

Die operative Therapie eines Bandscheibenvorfalls wird heute in der Regel minimal-invasiv durchgeführt. Die offene Diskektomie setzt man nur noch in besonderen Fällen ein. Mögliche Verfahren sind u.a.:

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