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Ballonenteroskopie

1 Definition

Die Ballonenteroskopie ist eine Form der Enteroskopie, bei welcher der Dünndarm endoskopisch dargestellt wird. Unter dem Begriff werden die beiden Techniken der Doppelballon-Enteroskopie (DBE) und Single-Ballon-Enteroskopie (SBE) zusammengefasst.

2 Hintergrund

Beide Systeme sind prinzipiell in der Lage das gesamte Jejunum und Ileum über eine Gesamtlänge von 5-6 m darzustellen. Hierzu ist meist eine Kombination aus peroraler und peranaler Enteroskopie erforderlich. Häufig ist allerdings eine komplette Darstellung des Intestinum zwischen Treitz-Band und der Ileozökalklappe durch technische Schwierigkeiten und anatomische Besonderheiten limitiert.

3 Technisches Prinzip

3.1 Doppelballon-Enteroskopie

Die DBE ist ein System mit zwei Ballons, die über Pumpensysteme auf- und abgeblasen werden können. Ein Ballon ist an der Endoskopspitze befestigt, der zweite distal an einem Übertubus. Durch wechselndes Vorschieben und Rückziehen jeweils des Endoskops und des Übertubus nach Aufblasen des Ballons wird der Darm sukzessive auf dem Übertubus aufgefädelt. Auf diese Weise können orale Vorschubtiefen von 250 cm postpylorisch bzw. anale Vorschubtiefen von 150 cm proximal der Ileozökalklappe erreicht werden.

3.2 Single-Ballon-Enteroskopie

Die SBE stellt eine Vereinfachung des DBE-Systems dar. Hier kommt nur ein Ballon am distalen Ende des Übertubus zum Einsatz. Die Stabilität der Endoskopspitze wird hier im Gegensatz zur DBE nicht durch Aufblasen eines Ballons, sondern durch Ansaugen des Darms oder Abwinkeln der Endoskopspitze erreicht. Inzwischen ist die SBE in vielen Zentren Standard.

4 Indikationen

Neben diagnostischen Einsatzmöglichkeiten ist bei der Ballonenteroskopie eine direkte therapeutische Intervention möglich. Bei anderen Formen der Dünndarmbildgebung wie der Videokapselendoskopie oder der MR-Enterographie besteht diese Möglichkeit nicht. Für diagnostische Aspekte können Biopsien asserviert werden. Dem steht allerdings sowohl ein höherer technischer, zeitlicher und personeller Aufwand als auch ein höheres Komplikationsrisiko gegenüber.

4.1 Obskure gastrointestinale Blutung

Die Ballonenteroskopie ist besonders bei Verdacht auf obskure gastrointestinale Blutung indiziert. Definitionsgemäß liegt eine solche vor, wenn eine Blutungsquelle trotz Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD) und kompletter Ileokoloskopie nicht dargestellt werden kann. Der Begriff obskur wurde zu einer Zeit eingeführt, als der mittlere Dünndarm der Endsokopie noch weitgehend unzugänglich war. Sofern keine obere oder untere GI-Blutungsquelle übersehen wurde, liegen meist Angiodysplasien im Jejunum oder Ileum als Ursache vor.

Bei Verdacht bietet sich vor Einsatz der Ballonenteroskopie eine primäre Videokapselendoskopie an. Therapeutisch wird vor allem die Argon-Plasma-Koagulation (APC) für die thermische Ablation vaskulärer Läsionen eingesetzt. Bei einem großen Teil der Patienten mit Angiodysplasien liegen diese multipel bzw. rezidivierend vor, sodass häufig wiederholte Interventionen notwendig sind.

4.2 Polyposis

Polypen im Dünndarm sind bedeutend seltener als im Kolon. Betroffen sind meist Patienten mit hereditären hamartomatösen Polyposis-Syndromen, etwa Patienten mit Peutz-Jeghers-Syndrom oder familiärer juveniler Polyposis. Zur Polypen-Surveillance kommen bei diesen Patienten meist die Videokapselendoskopie und MR-Enterographie als Methoden der ersten Wahl zum Einsatz. Bei Detektion von Polypen > 1 cm Durchmesser ist dann in einem zweiten Schritt die Polypektomie mittels Ballonenteroskopie angezeigt.

4.3 Stenosen

Ein weiteres Indikationsgebiet sind Dünndarmstenosen. Daovon betroffen sind besonders Patienten mit Morbus Crohn (MC) im Langzeitverlauf. Stenosen bei MC können prinzipiell in benigne und maligne unterteilt werden. Erstere lassen sich weiter einteilen in inflammatorische, fibromatöse (bzw. narbige) und gemischte. Die Unterscheidung ist von hoher Relevanz für das weitere Prozedere und stellt mitunter eine große differentialdiagnostische Herausforderung in der klinischen Praxis dar. In der erster Linie kommt auch hier die MR-Enterographie als diagnostische Methode der ersten Wahl zum Einsatz.

Die Anwendung der Kapselendoskopie ist per se limitiert, da Stenosen aufgrund des Risikos des Kapselverhaltes eine klassische Kontraindikation für den Einsatz der Videokapsel darstellen. Die Ballonenteroskopie erlaubt eine makroskopische Einschätzung der Dignität und Art der Stenose sowie die Ausdehnung und Bestehen begleitender Läsionen wie z.B. Ulzera oder Fisteln. Höhere diagnostische Sicherheit lässt sich durch Gewinnung von Biopsien für die histopathologische Beurteilung gewinnen.

Als therapeutische Option steht die Ballondilatation zur Verfügung, dies ist insbesondere bei kürzeren Stenosen < 4 cm möglich. Oftmals sind wiederholte Dilatationen notwendig.

4.4 Fremdkörper

Regelmäßig findet die Ballonenteroskopie Anwendung zur Bergung von Fremdkörpern, die nicht spontan abgehen. Meist geht der Endoskopie eine konventionelle Abdomenübersichtsaufnahme voraus. Beispiele für Fremdkörper sind arretierte Videokapseln bei Darmstenosen, dislozierte biliäre Endoprothesen oder verschluckter Zahnersatz.

5 Literatur

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