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Atlas

Synonyme: C1, "Nicker"
Englisch: atlas

1 Definition

Der Atlas ist der erste Halswirbel (C1) und bildet somit den schädelnahesten Teil der Wirbelsäule. Er bildet gemeinsam mit dem zweiten Halswirbel, dem Axis, eine funktionelle Einheit und wird auch als "Nicker" bezeichnet, da durch ihn die Flexion des Kopfes nach anterior ermöglicht wird.

2 Anatomie

2.1 Grundaufbau

Der Aufbau des Atlas unterscheidet sich, genau wie beim Axis, stark von dem der übrigen Wirbel. In der groben Betrachtung ist zunächst eine ringähnliche Form zu erkennen, da der Atlas im Verlauf der Entwicklungsgeschichte seinen Wirbelkörper (Corpus vertebrae) verloren hat. Lateral und ventral erkennt man statt dessen knöcherne Verdickungen, die so genannten Massae laterales. Von ihnen gehen zwei annähernd halbkreisförmige Knochenbögen, die Atlasbögen, aus:

  • ventral: Arcus anterior (atlantis)
  • dorsal: Arcus posterior (atlantis).

Ein Dornfortsatz (Processus spinosus) ist beim Atlas nicht ausgeprägt, er wird ersetzt durch eine Erhöhung an der dorsalen Seite des Arcus posterior, das Tuberculum posterius. Analog dazu lässt sich auch ein Tuberculum anterius auf der ventralen Seite des Arcus anterior finden.

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Lateral der Massae laterales findet man als weitere Fortsätze die Querfortsätze (Processus transversi), welche entwicklungsgeschichtliche Rudimente der Processus costales darstellen und die für Halswirbel typischen Foramina transversaria enthalten.

2.2 Gelenkflächen

An der Oberseite der Massae laterales finden sich die Gelenkflächen, die mit denen des Hinterhauptsbeins (Os occipitale) das Atlantookzipitalgelenk bilden. Sie werden auch als Facies articulares superiores bezeichnet.

Die Gelenkflächen zum Axis bilden das Atlantoaxialgelenk und liegen auf der unteren Seite und der vorderen Innenseite des Atlas. Die nach unten weisenden Flächen werden als Facies articulares inferiores bezeichnet. Der Dens axis artikuliert mit einer ovalen Knorpelfläche in einer Vertiefung auf der Rückseite des Arcus anterior des Atlas. Sie heißt Fovea dentis.

2.3 Foramina

Das Foramen transversarium des Atlas wird von der Arteria vertebralis durchzogen, welche durch das Foramen magnum in den Schädel eintritt.

Das Foramen vertebrale des Atlas wird vom Ligamentum transversum atlantis in zwei Abschnitte unterteilt. Ventral des Ligaments liegt der Dens axis, dorsal das Rückenmark.

3 Pathologie

3.1 Störungen der Entwicklung

Im Verlauf der Embryonalentwicklung kann es auch in der Entwicklung des Atlas zu Störungen kommen. Hierbei kommt es zu einer teilweisen Verschmelzung der Sklerotome der oberen vier Somiten. Als Folge davon entsteht eine Verwachsung des Os occipitale mit dem Atlas, welche vollständig oder unvollständig erfolgen kann. Diese Entwicklungsstörung wird als Atlasassimilation bezeichnet.

3.2 Fehlstellungen und Verletzungen

Beim Atlas kann es, genau wie bei den anderen Wirbeln, zu Fehlstellungen kommen. Da das Rückenmark direkt durch den Atlas verläuft, kann es je nach Schweregrad der Fehlstellung zu mehr oder weniger schweren Störungen des zentralen Nervensystems und der Statik der Wirbelsäule kommen. Darüber hinaus kann die Zirkulation des Blutes und des Liquor cerebrospinalis gestört und/oder behindert werden, was zu weiteren Ausfällen führen kann.

Eine weitere schwerwiegende Problematik ist der Genickbruch, welcher eine Fraktur des Dens axis darstellt, welcher sich zusammen mit dem Rückenmark im Ring des Atlas befindet. Nur in sehr seltenen Fällen bleibt diese Verletzung unbemerkt und stellt so eine dauerhafte Gefahr für die betroffene Person dar. In den meisten Fällen jedoch erfolgt ein Abreißen des Ligamentum transversum atlantis und des Ligamentum apicis dentis, so dass der Dens axis eine erhebliche Bewegungsfreiheit erhält und die Medulla oblongata verletzen oder gar ganz zerstören kann. Da hier Teile des Atemzentrums lokalisiert sind, erfolgt der Eintritt des Todes innerhalb weniger Sekunden. Diese Verletzung ist häufig bei Erhängten zu finden.

Darüber hinaus stellt die so genannte Jefferson-Fraktur eine Sonderform der Atlasfraktur dar. Hier erfolgt eine totale Sprengung des Ringes des Atlas als Folge von starken longitudinal wirkenden Kräften.

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