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Neuralgische Schulteramyotrophie

(Weitergeleitet von Akute Brachialplexitis)

Synonyme: Brachial-Plexus-Neuropathie, Parsonage-Turner-Syndrom, idiopathische Armplexusneuritis, akute Schulterneuritis, akute Brachialplexitis
Englisch: neuralgic shoulder amyotrophy

1 Definition

Die neuralgische Schulteramyotrophie ist eine selten auftretende, akute Entzündung des Plexus brachialis, die mit heftigen Schmerzen und Lähmungen der Schulter- und Armmuskulatur einhergeht.

2 Ätiologie

Die genaue Ursache der Erkrankung ist unbekannt. In vielen Fällen lässt sich eine immunologische Schädigung des Plexus im Sinne einer Seronegativen Polyneuritis durch zirkulierende Immunkomplexe nachweisen. Gehäuft traten diese Fälle nach Impfungen, Virusinfekten (z.B. Coxsackie-Viren, Zytomegalie-Viren), starker muskulärer Belastung und bei Heroinabhängigen auf.

3 Symptomatik

Die Patienten leiden unter plötzlich einsetzenden, heftigen Schmerzen im Schulter- und Oberarmbereich. Der Schmerz ist nicht bewegungsabhängig, was ein wichtiges Kriterium für die Differentialdiagnose darstellt. Unter anhaltenden Schmerzen bildet sich innerhalb einer Woche eine schlaffe Parese der Schultermuskulatur aus. Am häufigsten ist der Musculus deltoideus betroffen, fakulativ der Musculus supraspinatus, Musculus infraspinatus, Musculus serratus anterior, Musculus trapezius und seltener die distalen Armmuskeln. In besonders schweren Fällen kann auch das Zwerchfell eingezogen sein. Im weiteren Verlauf atrophiert die betroffene Muskulatur im Vergleich zur Gegenseite und die Schulter wird schmerzhaft eingesteift. Sensibilitätsstörungen fehlen in der Regel oder sind nur gering ausgeprägt.

Die beiden Arme sind nicht gleich häufig betroffen. Der isolierte Befall des rechten Armes macht rund 65% der Fälle auf, der isolierte Befall des linken Arms ca. 12% der Fälle. In etwa 23% der Fälle treten die Symptome an beiden Armen auf.

4 Diagnostik

Die Diagnose kann mit einiger Sicherheit aufgrund der Anamnese und der Ergebnisse einer genauen körperlichen und neurologischen Untersuchung gestellt werden. Die Elektromyographie und die Neurographie liefern fast immer pathologische Werte. Oftmals lässt auch am nicht betroffenen Arm ein Befall zeigen. Eine Liquorpunktion kann ergänzend sinnvoll sein, ergibt aber häufig keinen richtungsweisenden Befund.

5 Differentialdiagnose

Die Beschwerden der neuralgischen Schulteramyotrophie werden häufig einem HWS-Syndrom oder degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule zugeschrieben. Wurzelläsionen kommen aufgrund des uncharakteristischen Verteilungsmusters der Lähmungen, nicht in Frage.

6 Therapie

Die frühzeitige Lagerung in Abduktion, in Verbindung mit der Verordnung von Kortikosteroiden, Schmerzmitteln, lokaler Wärmeanwendung und Bestrahlungsbehandlungen, erscheint am erfolgsversprechenden. Bei tolerablen Schmerzen, sollte eine Krankengymnastik mit passiven und aktiven Bewegungsübungen durchgeführt werden. Auch ohne Therapie heilt die Erkrankung in etwa 3/4 der Fälle innerhalb von zwei Jahren aus.

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