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Akustisch evozierte Potenziale

(Weitergeleitet von Akustisch evozierte Potentiale)

Synonym: Akustisch evozierte Potentiale, AEP
Englisch: auditory evoked potentials, AEP

1 Definition

Unter den akustisch evozierten Potenzialen versteht man elektrische Potenzialschwankungen des Hörsystems, die durch periodische akustische Reizeinwirkung hervorgerufen werden.

2 Verfahren

Akustisch evozierte Potenziale entstehen in allen Anteilen der Hörbahn. Die Zuordnung zu bestimmten anatomischen Strukturen ist möglich.

Die akustisch evozierten Potenziale werden entweder mit Nadelektroden vom Promontorium oder über Oberflächenelektroden vom Schädel abgeleitet, wobei die Potenziale über eine computergestützte Mittelungstechnik, das sog. Averaging, vom überlagerten EEG, das reizunabhängig ist, getrennt werden.

2.1 Elektrokochleographie

Im Rahmen der Elektrokochleographie erfolgt die Platzierung von Nadelelektroden transtympanal auf dem Promontorium. Mit der Elektrokochleographie kann Diagnostik am Innenohr betrieben werden: es werden die auf den Reiz folgenden Antworten der Haarzellen als Cochlear Microphonics, das durch die Auslenkung der Basilarmembran entstandene Summationspotenzial und das Summenaktionspotenzial des Hörnerven abgeleitet.

2.2 BERA

Die frühen akustisch evozierten Potenziale (FAEP) von Hörnerv und Hirnstamm werden bei der BERA (Hirnstammaudiometrie) über Oberflächenelektroden am Processus mastoideus sowie am Vertex abgeleitet.

2.3 MAEP

Über Elektroden lassen sich ebenfalls die mittleren akustisch evozierten Potenziale (MAEP) aus dem Thalamus ableiten.

2.4 MLRA

Die MLRA sind die über der primären Hörrinde abgeleiteten Potenziale.

2.5 SAEP

Die SAEP stellen die späten akustisch evozierten Potenziale dar, welche über der primären und sekundären Hörrinde abgeleitet werden.

3 Bedeutung

Mittels der akustisch evozierten Potenziale lässt sich eine objektive Hörprüfung durchführen - also ohne Mitarbeit des Patienten. Sie haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung zugenommen.

Die BERA kann zum Hörscreening und zur Schwellenbestimmung bei Neugeborenen und Kleinkindern genutzt werden, wobei die Untersuchung in der Regel im Schlaf, in Sedierung oder in Narkose durchgeführt wird.

Eine Hörschwellenbestimmung beim Erwachsenen (z.B. wenn der Verdacht auf eine Aggravation oder Simulation sowie auf eine psychogene Schwerhörigkeit besteht) kann mittels der SAEP und der MLRA durchgeführt werden.

Die Elektrokochleographie wird beim Morbus Menière genutzt, um einen Hydrops nachzuweisen. Das Summationspotenzial ist hier typischerweise vergrößert.

Mittels der Elektrokochleographie, der BERA und der SAEP kann ebenfalls eine Topodiagnostik von Hörstörungen in cochleär, neural und zentral erfolgen.

Bei einem Akustikusneurinom lässt sich in der BERA eine Verlängerung der Leitzeit nachweisen. Charakteristisch ist dabei ein verzögertes Auftreten der Potenziale (Latenzverlängerung) sowie eine Verlängerung des zeitlichen Abstandes zwischen den Gipfeln der Potenziale.

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