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Scheuermann-Krankheit

(Weitergeleitet von Adoleszenzkyphose)

nach dem dänischen Arzt Holger W. Scheuermann (1877-1960)
Synonyme: Morbus Scheuermann, Adoleszentenkyphose, Adoleszenzkyphose, Osteochondrosis deformans juvenilis vertebralis dorsalis sive lumbalis, "Lehrlingsrücken"
Englisch: Scheuermann's disease

1 Definition

Die Scheuermann-Krankheit ist eine juvenile Verknöcherungsstörung der Wirbelsäule, v.a. der mittleren und unteren Brustwirbelsäule (knorpelige Randleistenapophysen), manchmal auch der oberen Lendenwirbelsäule.

2 Epidemiologie

Die Scheuermann-Erkrankung ist die häufigste Wirbelsäulenerkrankung im Jugendalter. Das typische Alter für das Auftreten des Morbus Scheuermann ist zwischen 8 und 14 Jahren. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen (2:1).

3 Pathogenese

Die Wirbel zwischen dem 5. und 11. Brustwirbel wachsen in ihren vorderen Anteilen langsamer als in den hinteren. Seltener ist auch der obere lumbale Abschnitt (L1-L3) betroffen.

Dadurch entstehen typisch geformte Keilwirbel. Die Deckplatten der Wirbelkörper weisen zudem Inkonsistenzen auf, durch die Anteile der Zwischenwirbelscheiben in den Wirbelkörper eintreten können. Die beim ungleichmäßigen Wachstum entstehenden Verformungen der Wirbel sind asymmetrisch. Daher kommt es zur Ausbildung einer übermäßigen Kyphose.

Mit dem Alter von etwa 18 Jahren sistiert mit dem Abschluss des Wachstums auch das pathologische Wachstum im Rahmen eines Morbus Scheuermann. Es kommt zu keiner weiteren Progression.

4 Ursachen

Die Ursachen sind weitgehend unklar. Hochwuchs und Haltungsschwäche sind oft mitverantwortlich.

5 Klinik

Bei der überwiegenden Zahl der Betroffenen verläuft der Morbus Scheuermann zur Zeit des Fehlwachstums asymptomatisch. Nur ein kleiner Teil der Patienten leidet unter Rückenschmerzen.

Beschwerden entstehen bei den meisten Patienten im Erwachsenenalter, wenn durch die Fehlstellung der Wirbelsäule bedingt Verspannungen und Überdehnungen der Rückenmuskulatur entstehen. Vom Morbus Scheuermann betroffene Patienten leiden gehäuft unter Bewegungseinschränkungen, Rückenschmerzen und degenerativen Veränderungen der Bandscheiben. Insbesondere durch die im Rahmen der verstärkten Brustkyphose entstehende übermäßige Lendenlordose führt zu einem gesteigerten Risiko für Lumbalsyndrome. Evtl. entsteht eine fixierte, langgebogene Hyperkyphose, ein so genannter Rundrücken.

6 Diagnostik

Die Erkrankung kann durch die klinische Untersuchung und v.a. durch das Röntgenbild in der seitlichen Aufnahme erkannt werden. In frühen Stadien erhält man röntgenologisch meist einen Normalbefund oder eine geringe Verformung von einzelnen Wirbelkörpern (1. Stadium), im weiteren Verlauf sind Kyphose, Schmorl-Knorpelknötchen und unregelmäßige Wirbeldeckplatten (2. Stadium) bis hin zu keilförmigen Verformungen der Wirbelkörper (3. Stadium) zu beobachten. Ergänzend kann eine Verkürzung des Abstands zwischen den betroffenen Wirbeln festgestellt werden.

Als Scheuermann-Trias bezeichnet man die Kombination aus:

  • Keilwirbel
  • Schmorl-Knorpelknötchen (in die Wirbelkörper eingetretene Anteile der Bandscheiben)
  • übermäßige Kyphose der BWS

Der klinische Zustand des Patienten muss nicht unbedingt mit dem Röntgenbefund korrelieren.

7 Therapie

Während des Fehlwachstums können bei rechtzeitiger Erkennung druckentlastende Übungen im Rahmen einer Physiotherapie ein weiteres Fortschreiten verhindern. Stärkere Kyphosen können kurzzeitig mit einem entlastenden Korsett therapiert werden. Operative Verfahren kommen nur bei selten auftretenden schwersten Deformierungen durch eine Kyphose in Frage.

Bei den meisten Patienten bleibt ein Morbus Scheuermann jedoch unerkannt, sodass die oben genannten Therapieoptionen ausfallen. Solchen Patienten ist zur dauerhaften Linderung ihrer Beschwerden und Vermeidung sekundärer Fehlbildungen ein gutes Training der Rückenmuskulatur anzuraten.

Dieses Training kann z.B. aus gezielten Kräftigungsübungen, Gymnastik und vor allem Schwimmen bestehen. Unter diesen Voraussetzungen treten auch kaum Rückenschmerzen auf. Bei sachgemäßer Lebensweise bedingt ein Morbus Scheuermann für den Betroffenen keinen Verlust an Lebensqualität und Leistungsfähigkeit.

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