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Paracetamol

(Weitergeleitet von Acetaminophen)

Synonyme: Paracetamolum, Acetaminophen (USAN), APAP, N-Acetyl-4-aminophenol, N-Acetyl-p-aminophenol, 4-Acetaminophenol, p-Hydroxyacetanilid, 4′-Hydroxyacetanilid
Englisch: acetaminophen, paracetamol; brand name: Tylenol®

1 Definition

Paracetamol, kurz PCM, ist ein antipyretisch und analgetisch wirksamer Arzneistoff aus der Gruppe der Nichtopioid-Analgetika. Es wirkt unter Laborbedingungen auch geringfügig antiphlogistisch.

2 Geschichte

Die Erstsynthese erfolgte 1878 durch Morse. Die analgetische Wirkung der Substanz wurde bereits 1893 entdeckt, aber erst um 1950 wurde Paracetamol als Breitentherapie gegen Schmerzen eingeführt.

3 Chemie

Die Summenformel von Paracetamol lautet C8H9NO2, die molare Masse beträgt 151,16 g/mol. Die Strukturformel sieht folgendermaßen aus:

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In reiner Form handelt es sich bei Paracetamol um ein weißes bis fast weißes, kristallines Pulver, das einen leicht bitteren Geschmack besitzt und geruchlos ist. In Wasser löst es sich nur wenig, leicht löslich ist es in Ethanol 96%, sehr schwer löslich in Dichlormethan.

4 Wirkmechanismus

Der genaue Wirkmechanismus von Paracetamol ist bis heute nicht abschließend geklärt. Bekannt ist, dass mehrere, kontrovers diskutierte Mechanismen zusammenspielen, und dass der schmerzstillende Effekt zu einem nicht unerheblichen Teil in Gehirn und Rückenmark zustande kommt.

Anders als die NSAR Acetylsalicylsäure und Ibuprofen hat Paracetamol keine antiinflammatorische Wirkung, da es kaum auf die periphere Cyclooxygenase wirkt. Aus diesem Grund zeigt es auch nicht die typischen NSAR-Nebenwirkungen. Paracentamol hemmt primär das Isoenzym COX-2. Aufgrund seiner COX-2-Selektivität interagiert Paracetamol nicht mit Gerinnungsfaktoren wie Thromboxan, daher hat es im Unterschied zu den NSAR keinen Effekt auf die Blutgerinnung.

Darüber hinaus wirken Paracetamol und sein Hauptmetabolit, n-Arachidonoylaminophenol (AM404), auch im endogenen Cannabiniod-System als Anandamid-Wiederaufnahmehemmer. Seine Interaktion mit dem Vanilloid-Rezeptor wird ebenfalls mit der analgetischen und antipyretischen Wirkung in Verbindung gebracht. Ein Großteil seines analgetischen Effekts kann durch synthetische Cannabinoidantagonisten aufgehoben werden.

AM404 beinflusst ebenfalls die Prostaglandinsynthese und ist darüber hinaus ein TRPV1-Agonist.

5 Pharmakokinetik

Nach der oralen Einnahme wird Paracetamol rasch im Magen-Darm-Trakt resorbiert. Bereits nach 30-60 min wird die maximale Konzentration im Blut erreicht. Die Bioverfügbarkeit ist hoch und beträgt bis zu 90%. Bei rektaler Verabreichung (Zäpfchen) kann die Bioverfügbarkeit stark schwanken. Die Plasmahalbwertszeit liegt bei 1-3 Stunden. Paracetamol wird in der Leber mit Glucuronsäure, Schwefelsäure oder Glutathion konjugiert und über den Urin ausgeschieden.

6 Toxizität

Wird Paracetamol in sehr hohen Dosen eingenommen, wird die Kapazität der Leber zur Konjugation überschritten - es kommt zu Leberzellnekrosen und klinischem Leberversagen. Entscheidend ist der Metabolismus über das CYP2E1, wobei der toxische Zwischenmetabolit N-Acetyl-p-benzoquinoline (NABQUI) entsteht. Wird NABQUI nicht mittels Glutathion entgiftet, kann es an zelluläre Proteine binden, was zytotoxisch wirkt.

Beim gesunden Erwachsenen beginnt die toxische Plasmakonzentration ab 200 mg/l. Bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen ist die toxische Dosis geringer. Vor allem bei Alkoholikern findet sich die Kombination von erhöhtem CYP2E1 (Expression induziert durch Ethanol) und tiefem Glutathion (schlechte Ernährung), wodurch bereits eine geringere Plasmakonzentration toxisch wirkt.

Cave: Für Kleinkinder ist bereits mit der Erwachsenendosierung von 1 g die letale Dosis erreicht.

Die Tatsache, dass Paracetamol die häufigste Ursache für ein akutes Leberversagen in den USA war, hat die FDA (Food and Drug Administration) dazu veranlasst, die Dosis von Paracetamol in verschreibungspflichtigen Kombinationspräparaten auf 325 mg pro Tablette (zuvor 750 mg) zu beschränken.

Bei einer Paracetamol-Intoxikation wird frühzeitig N-Acetylcystein als Antidot eingesetzt.

7 Dosierung

Bei einer oralen Anwendung werden in der Regel 10–15 mg Paracetamol pro kg Körpergewicht als Einzeldosis verwendet - bei Erwachsenen entsprechend zwischen 1 und 2 Tabletten á 500 mg. Es gelten die Angaben des jeweiligen Herstellers.

7.1 Tageshöchstdosis

Die Tageshöchstdosis für Erwachsene wurde früher mit 6 g/d angegeben, aber vor einigen Jahren auf 4 g/d reduziert. Grund waren vereinzelte Fälle von Intoxikationen mit bereits einer geringeren Menge von 3g/d. Für Nicht-Erwachsene gibt es abgestufte Tageshöchstmengen im Beipackzettel.

8 Weblinks

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