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SCID

(Weitergeleitet von ADA-Mangel)

Akronym für: severe combined immunodeficiency syndrome

1 Definition

SCID oder deutsch schwerer kombinierter Immundefekt ist ein Sammelbegriff für angeborene Immundefekte, bei denen die T-Lymphozyten defekt sind oder ganz fehlen, wodurch die zellvermittelte Immunabwehr und dadurch oft auch die humorale Abwehr (die Abwehr durch Antikörper, die von B-Lymphozyten getragen wird) ungenügend ausgebildet sind.

2 Formen

SCID wird durch genetische Defekte ausgelöst. Oftmals wird SCID als ein Überbegriff für Immundefekte verwendet, die streng genommen nicht als SCID zu bezeichnen sind. Es gibt mehrere SCID-Formen, bei einigen sind die genauen genetischen Ursachen noch nicht bekannt.

Vorherrschend sind Defekte der

Die meisten SCID-Formen werden autosomal-rezessiv vererbt, die häufigste Form (45% der Fälle) beruht jedoch auf einer X-chromosomaler Vererbung. Je nach SCID-Form sind B-Lymphozyten und NK-Zellen teilweise vorhanden, teilweise fehlen sie. Charakteristischerweise fehlen T-Lymphozyten bei jeder SCID-Form.

3 ADA-Mangel-SCID

Einem ADA-Mangel-SCID liegt ein Mangel des Enzyms Adenosin-Desaminase (ADA) zugrunde. Dieses Enzym spielt eine Rolle beim Abbau von Purinen, die z.B. in der DNA vorkommen. Werden Purine, insbesondere Adenosin, nicht abgebaut, reichern sie sich im Körper an und werden in andere Stoffe umgebaut, vor allem in dATP (Desoxyadenosidtriphosphat). dATP wiederum hemmt das Enzym Ribonukleotid-Reduktase. Dieses Enzym ist wichtig für die Synthese der DNA in Lymphozyten. Wenn nicht genug DNA gebildet werden kann, kommt es zu einer Proliferationsstörung der Zellen, das bedeutet, diese Zellen können nicht mehr wachsen. Außerdem hemmt die Anreicherung von Adenosin die S-Adenosyl-Homocystein-Hydrolase, die für die DNA-Methylierung zuständig ist. Weiterhin sollen die sich anreichernden Metaboliten auch direkt Apoptose induzieren. In jedem Fall führt ein ADA-Mangel zum Untergang, vor allem der unreifen Lymphozyten.

Somit kommt es infolge eines Mangels an Lymphozyten zu den für SCID typischen schweren Immundefekten.

4 Symptomatik

Die Krankheit zeigt sich bereits in den ersten Lebensmonaten. Die betroffenen Kinder leiden unter ständigen Infektionen, insbesondere Mittelohrentzündung (Otitis media), Bronchitis, Lungenentzündung (Pneumonie), Pilzerkrankungen (Candidose), Durchfall (Diarrhö) und Verdauungsstörungen. Oftmals zeigen sich Wachstums- und Entwicklungsverzögerungen.

5 Diagnose

Auffallend sind ein unterentwickelter Thymus und eine Lymphopenie (unter 1500/mm3) sowie ein Fehlen von Lymphknoten oder Tonsillen. Die Anzahl der Granulozyten ist meist normal. Mit Hilfe der Immunphänotypisierung werden Antigene auf Leukozyten mittels fluoreszenzmarkierter Antikörper nachgewiesen. Somit kann ein Fehlen oder ein Mangel dieser Antigene (und somit der Leukozyten) bestätigt werden.

Sollte der Patient bereits geimpft worden sein, kann auch ein mögliches Impfversagen auf ein SCID hinweisen. Die Kontrolle, ob spezifische Antikörper gebildet wurden, erfolgt in der Regel vor weiteren genetischen Untersuchungen.

Der genaue Typ eines SCID erfolgt ausschließlich über molekulargenetische Untersuchungen mit Nachweis der jeweiligen Mutationen. Bei der Elektrophorese zeigt sich ein Fehlen der Gammaglobuline. Bei den meisten SCID-Formen ist eine Pränataldiagnostik möglich.

Mehrere Organisationen setzen sich für die Einführung eines generellen Neugeborenen-Screenings auf SCID ein, um die Krankheit erkennen zu können, bevor es zu gravierenden Infektionen kommt.

6 Therapie

Eine symptomatische Therapie des SCID besteht in der Minimierung des Infektionsrisikos. Die Betroffenen müssen unter sterilen Bedingungen leben (z.B. in sterilen Plastikzelten). Daher ist SCID als auch „bubble boy disease“ bekannt, da der erste publik gewordene Patient, David Vetter (1971-1984), 12 Jahre lang in einem Raumanzug unter einer Art Astronautenhelm lebte, der ihn vor Infektionen schützen sollte.

Da eigentlich harmlose Infekte bei SCID-Patienten schwere Verläufe nehmen können, werden sie bei Infektionen mit Antibiotika, Antimykotika oder Virostatika behandelt.

Die einzige kurative Therapie besteht in einer allogenen Transplantation von Blutstammzellen, bei der den Kindern Stammzellen anderer Personen übertragen werden. Das kann in Form von Blutstammzellen, Knochenmark oder Nabelschnurblut geschehen.

Ohne Therapie beträgt die Lebenserwartung der betroffenen Kinder weniger als ein Jahr. Eine Blutstammzelltransplantation kann bei den meisten SCID-Formen zu einer dauerhaften Heilung führen. Jedoch können Folgeerkrankungen durch die intensive Behandlung (u.a. Chemotherapie) auftreten.

In letzter Zeit wurden Versuche der somatischen Gentherapie unternommen, die auf den ersten Blick erfolgreich schienen. Hierbei wurden mittels viraler Überträger (Vektoren) gesunde Versionen der defekten Gene in die Zellen des Immunsystems geschleust. Jedoch entwickelten auffällig viele der so behandelten Patienten Tumoren in eben den eingeschleusten Zellen (T-Zell-Leukämie), was darauf schließen lässt, dass die T-Zellen durch die Klonierung einen Wachstumsvorteil gegenüber anderen Zellen erlangt haben, was schließlich zur Krebsentstehung führt.

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