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Nervus glossopharyngeus

(Weitergeleitet von 9. Hirnnerv)

von altgriechisch: γλῶσσα ("glossa") - Zunge und φάρυγξ ("pharynx") - Rachen
Synonyme: 9. Hirnnerv, Nervus IX
Englisch: glossopharyngeal nerve

1 Definition

Der Nervus glossopharyngeus ist der neunte Hirnnerv und führt allgemein-somatosensible, allgemein-viszeromotorische, speziell-viszeromotorische, allgemein-viszerosensible und speziell-viszerosensible Fasern.

2 Embryologie

Der Nervus glossopharyngeus wird zu den Kiemenbogennerven gerechnet und entwickelt sich aus dem Nerven des 3. Kiemenbogens. Er innerviert deshalb alle Muskeln, die sich aus der Muskelanlage dieses Kiemenbogens gebildet haben.

3 Verlauf

Der Nervus glossopharyngeus tritt lateral der Olive aus und zieht dann durch das Foramen jugulare. An der Schädelbasis kommt es zur Ausbildung des rein sensiblen Ganglion superius und - unterhalb des Foramen jugulare - des sensorischen und parasympathischen Ganglion inferius. Der Nervus glossopharyngeus zieht an der Rückseite des Musculus stylopharyngeus nach kaudal und liegt dabei anterolateral zur Arteria carotis interna. Zwischen dem Musculus stylopharyngeus und dem Musculus styloglossus gelangt er nach kaudal zum hinteren Teil der Zunge, an dem die Aufteilung in seine Endäste erfolgt.

4 Innervation

4.1 Nervus tympanicus

Über den zum Mittelohr ziehenden Nervus tympanicus versorgt der Nervus glossopharyngeus allgemein-somatosensibel das Mittelohr und die Ohrtrompete, sowie als Nervus petrosus minor über das Ganglion oticum allgemein-viszeroefferent die Ohrspeicheldrüse.

4.2 Ramus sinus carotici

Der Ramus sinus carotici versorgt allgemein-viszerosensibel die Chemorezeptoren des Glomus caroticum und die Pressorezeptoren des Sinus caroticus.

4.3 Rami pharyngei

Über diese Äste werden die Schlundmuskulatur und große Teile der Gaumensegelmuskulatur, die Drüsen des Rachens sowie die Schleimhaut des Rachens versorgt. Sie bilden zusammen mit Fasern des Nervus vagus den Plexus pharyngeus.

4.4 Rami linguales

Der Endast führt allgemein-somatosensible und speziell-viszerosensible Fasern für das hintere Drittel des Zunge.

4.5 Rami tonsillares

Diese Äste werden im Ganglion oticum umgeschaltet und versorgen die Gaumenmandel und ihre Schleimhaut.

4.6 Ramus musculi stylopharyngei

Versorgt den Musculus stylopharyngeus

5 Kerne

5.1 Allgemein-somatosensible Fasern

Der sich in Medulla oblongata und Medulla spinalis befindende Nucleus spinalis nervi trigemini stellt den Kern für die allgemein-somatosensiblen Fasern des Nervus glossopharyngeus dar.

5.2 Allgemein-viszeromotorische Fasern

Der Kern dieser Fasern wird als Nucleus salivatorius inferior bezeichnet und liegt an der Grenze von Pons und Medulla oblongata.

5.3 Speziell-viszeromotorische Fasern

Der Nucleus ambiguus, der sich in der Medulla oblongata befindet, ist der Kern für die speziell-viszeromotorischen Fasern.

5.4 Allgemein- und speziell-viszerosensible Fasern

Diese Fasern terminieren im Nucleus tractus solitarii, der ebenfalls in der Medulla oblongata zu finden ist.

6 Pathologie

6.1 Nervenausfall

Der Nervus glossopharyngeus fällt selten isoliert aus. Meistens sind der Nervus vagus und der Nervus accessorius mit betroffen, die zusammen mit dem Nervus glossopharyngeus durch das Foramen jugulare ziehen. Durch den Ausfall des Nerven entfällt die sensible Innervation des Rachen, so dass der Würgereflex nicht mehr auslösbar ist. Ein weiteres Kennzeichen ist die fehlende Geschmacksempfindung im hinteren Drittel der Zunge sowie die Abweichung des Gaumensegels zur gesunden Seite. Der Ausfall der Rami pharyngei führt ebenfalls dazu, dass aufgenommene Nahrung häufig durch die Nase austritt.

6.2 Neuralgie

Die Neuralgie des Nervus glossopharyngeus bezeichnet man auch als Collet-Sicard-Syndrom. Sie ist durch anfallsweise auftretende Schmerzen am Gaumenbogen gekennzeichnet, die u.a. beim Schlucken, bei lautem Sprechen oder beim Gähnen auftreten. Sie strahlen in Zunge, Kieferwinkel und Halsregion aus.

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Fachgebiete: Kopf und Hals

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