Vom 10.10 bis 22.10.2017 steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.
Bearbeiten

Vom 10.10 bis 22.10.2017 steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.

Liebe Mediziner,
wir gönnen uns eine herbstliche Verschnaufpause. Deshalb sind vom 10. bis 22. Oktober keine Bearbeitungen möglich.
Arbeitet doch schon mal an der Halloween-Deko oder lasst einen Drachen steigen. Wir freuen uns, wenn ihr gut erholt zurückkommt!

Gammahydroxybuttersäure

(Weitergeleitet von 4-Hydroxybutansäure)

Handelsname: Xyrem®
Synonyme: 4-Hydroxybutansäure, γ-Hydroxybuttersäure, GHB
Englisch: gamma-Hydroxybutyric acid, γ-Hydroxybutyric acid, 4-hydroxybutanoic acid

1 Definition

Gammahydroxybuttersäure, kurz GHB, ist eine mit GABA verwandte und im menschlichen Körper natürlich vorkommende Substanz aus der Gruppe der Oxybate. Sie ist ein potentes Narkotikum und findet vorwiegend als Psychopharmakon zur Behandlung von Narkolepsie Anwendung.

Gammahydroxybuttersäure ist unter dem Namen GHB oder k.o.-Tropfen als Droge bekannt. Sie wird fälschlicherweise auch als liquid ecstasy bezeichnet, ist aber pharmakologisch mit Ecstasy und dem darin vorkommenden MDMA nicht verwandt.

2 Entwicklung

Synthetisiert wurde der Wirkstoff bereits 1874 von Alexander Saytzeff. Therapeutisch wurde GHB aber erst Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts in der Anästhesiologie als intravenöses Narkotikum eingesetzt. Wegen seiner schlechten Steuerbarkeit wurde das Medikament bald wieder aus der anästhesiologischen Praxis verdrängt.

Unter dem Namen Xyrem® ist Gammahydroxybuttersäure ein in der Psychiatrie zugelassenes Medikament zur Behandlung von Narkolepsie.

3 Anwendung

Gammahydroxybuttersäure ist in Deutschland und den USA nur als Psychopharmakon zur Therapie der Narkolepsie zugelassen. Auch die im Rahmen der Narkolepsie entstandene Kataplexie kann mit GHB behandelt werden.

4 Wirkungsmechanismus

GHB ist eng verwandt mit Gamma-Aminobuttersäure (GABA). Ihre Wirkung entfaltet die Substanz an den speziellen GHB-Rezeptoren, welche exzitatorisch wirken. Zusätzlich wirkt GHB als Agonist am GABA-B -Rezeptor und induziert dort eine inhibitorische Wirkung. Es wird angenommen, dass GHB in den GABAergen Neuronen sezerniert und von ihnen auch ausgeschüttet wird.

Die höchste Affinität entfaltet Gammahydroxybuttersäure für GHB-Rezeptoren, die unter anderem im Neocortex und den hippocampalen Arealen vorkommen. Der Agonismus auf GHB-Rezeptoren hat zur Folge, dass die Glutamatfreisetzung steigt und die exzitatorischen Neurone verstärkt feuern.

GHB hat auch dopaminerge Effekte. In niedriger Dosierung wird die Dopaminausschüttung angeregt, in hoher hingegen kehrt der Effekt um und die Dopaminsynthese geht zurück. Die GHB-stimulierte Dopaminfreisetzung ist durch Opioidantagonisten wie Naloxon antagonisierbar.

Gammahydroxybuttersäure entfaltet auch indirekte serotonerge Wirkungen. Diese kommen durch den erhöhten Tryptophantransport, Umsatz und Verteilung zustande.

Die agonistische Wirkung an GHB- und GABA-Rezeptoren, der Eingriff in den Dopamin- und Serotoninhaushalt und die konzentrationsabhängige Wirkung machen Gammahydroxybuttersäure zu einem potentiell vielseitig einsetzbaren Medikament. Dementsprechend wird auch fachübergreifend geforscht.

5 Nebenwirkungen

Die unerwünschten Wirkungen sind in Kombination mit anderen zentralnervös wirkenden Substanzen am stärksten ausgeprägt.

6 Wechselwirkungen

Gammahydroxybuttersäure ist besonders gefährlich in Kombination mit:

Hierbei sind Atemdepression und Herzstillstand die gefährlichsten Nebenwirkungen.

7 Überdosierung

Da es kein spezifisches Antidot für Gammahydroxybuttersäure gibt, erfolgt die Therapie vorwiegend symptomatisch und nach dem Prinzip der Giftelimination:

Es gibt Einzelbeobachtungen, die von einem positiven Effekt von Physostigmin zur Aufhebung der ZNS-depressorischen Wirkung berichten. Auch Naloxon scheint eine gewisse Wirkung zu zeigen. Flumazenil scheint als GABA-Antagonist nicht ausreichend wirksam zu sein. Vom routinemäßigen Einsatz dieser Antidote wird abgeraten.

Patienten mit GHB-Intoxikation werden in der Regel intensivmedizinisch betreut. Nicht zuletzt wegen der häufig vorhandenen Mischintoxikation.

8 Rechtliches

In Deutschland unterliegt Gammahydroxybuttersäure dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Ausgenommen von der Regelung sind injizierbare Darreichungsformen.

Tags:

Fachgebiete: Arzneimittel

Hallo Herr Dr. Pichlmeier, vielen Dank für Ihren Kommentar! Das Flexikon ist ein Mitmach-Lexikon. Wenn Sie ergänzende Informationen zu einem Atikel haben, freuen wir uns, wenn Sie diese selbst einfügen. Einfach im Artikel auf "Bearbeiten" klicken und losschreiben. Wenn Sie Fragen dazu haben, können Sie sich gerne an mich wenden! Viele Grüße Carina Hönscher
#2 am 20.01.2016 von Dr. Carina Hönscher
Sehr geehrte Damen und Herren, dieser Artikel erscheint mir inhaltlich korrekt. Allerdings unvolständig. Vergessen wurde, dass GH seit vielen Jahren und auch heute noch von Kennern gerne eingesetzt wird als Bsissedativum in der Intensivmedizin. Da ist sie allen sozusagen "Konkurrenten", - also Benzodiazepinen, Barbiturten, Neuroleptika u.a. - weit überlegen. Ist halt ein körpereigener Botenstoff. Damit - im Prinzip, wenn nicht mißbraucht - unschädlich und annähernd nebenwirkungsfrei. Verweise auf die einschlägige - auch von mir verfasste - Literatur der letzten 30 Jahre. Danke für den schönen Artikel! Dr. Reinhard Pichlmeier
#1 am 19.01.2016 von Dr. med. Reinhard Pichlmeier (Arzt)

Um diesen Artikel zu kommentieren, .

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

7 Wertungen (4 ø)
Teilen

18.636 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
DocCheck folgen: