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Jacobsen-Syndrom

(Weitergeleitet von 11q-Syndrom)

nach Petra Jacobsen, dänische Ärztin
Synonyme: distales 11q Deletionssyndrom, 11q-Syndrom, partielle Monosomie 11q
Englisch: Jacobsen syndrome

1 Definition

Das Jacobsen-Syndrom ist eine Chromosomenaberration, die durch eine geistige Retardierung, ein kraniofaziale Dysmorphie, Herzfehler und eine Blutungsneigung charakterisiert ist.

2 Epidemiologie

Das Jacobsen-Syndrom ist eine sehr seltene Erkrankung, deren Prävalenz etwa 1:100.000 beträgt. Bis heute (2017) wurden nur etwa 80 Fälle in der Literatur beschrieben. Mädchen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Jungen (Verhältnis 2:1).

3 Ursache

Ursächlich für das Jacobsen-Syndrom ist eine meist spontan auftretende strukturelle Chromosomenaberration auf dem langen Arm (q-Arm) des Chromosoms 11. Die dabei aufgetretene Deletion betrifft das Telomer des Chromosoms und liegt häufig an Genlokus 11q23.3, auch RFA11B genannt. Diese Stelle weist eine große Anzahl von CCG-Repeats auf und liegt in der Nähe des Protoonkogens CBL2. Der genaue Pathomechanismus der Krankheitsentstehung ist bis heute (2017) jedoch ungeklärt. In etwa 15% der Fälle wird die Deletion vom Vater an das Kind vererbt.

4 Klinik

Die Symptome des Jacobsen-Syndroms können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Meist lässt sich jedoch ein charakteristischer Phänotyp des Betroffenen erkennen, der von einem geringen Geburtsgewicht und vermindertem Wachstum gekennzeichnet ist:

5 Diagnostik

Die Diagnose des Jacobsen-Syndroms wird aufgrund des klinischen Erscheinungsbildes meist innerhalb der ersten Lebensmonate gestellt. Im Labor kann eine Thrombozytopenie oder in einigen Fällen eine Panzytopenie festgestellt werden. Durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) können strukturelle Veränderungen des Gehirns nachgewiesen werden. Zur Sicherung der Diagnose kann eine molekulargenetische Untersuchung durchgeführt werden, welche die Deletion nachweist.

6 Differentialdiagnosen

Folgende Differentialdiagnose ist möglich:

7 Therapie

Die Therapie des Jacobsen-Syndroms erfolgt bislang (2017) symptomatisch. Eine Korrektur der Herzfehler ist meist schon kurz nach der Geburt erforderlich. Blutbildkontrollen und Bluttransfusionen müssen ein Leben lang durchgeführt werden. Eine logopädische Behandlung kann zur Verbesserung der verbalen Ausdrucksfähigkeit in Betracht gezogen werden und verbessert meist die Lebensqualität der betroffenen Kinder.

8 Prognose

Die Lebenserwartung der betroffenen Kinder ist eingeschränkt. Etwa 20% sterben in den ersten zwei Lebensjahren an Herzfehlern oder Blutungen. Durch die Seltenheit der Erkrankung ist die Lebenserwartung von Kindern, die älter als zwei Jahre sind, nicht bekannt.

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Fachgebiete: Genetik

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