

Als Sensibilität wird die Eigenschaft von Lebewesen zur Wahrnehmung qualitativ unterschiedlicher Empfindungen und Bewegungen bezeichnet.
Die Sensibilität ist eine komplexe Leistung des Nervensystems. Sensible Wahrnehmungen werden bezüglich ihrer Qualität und Quantität unterschieden und führen nach Summation und Integration in höheren Zentren des ZNS zu Empfindungen.
Die Wahrnehmung der Sensibilität unterliegt interindividuellen sowie intraindividuellen Schwankungen. So können unterschiedliche Menschen den gleichen Reiz verschieden empfinden, genauso kann jedoch der selbe Mensch den gleichen Reiz abhängig von Aufmerksamkeit und Affektlage unterschiedlich empfinden.
In der Anatomie und Physiologie wird die Sensibilität grob unterteilt.
Ein Modell unterscheidet die protopathische Sensibilität und die epikritische Sensibilität. Ein anderes Modell unterscheidet Oberflächensensibilität und Tiefensensibilität.
Diese grob unterteilten Formen der Sensibilität werden bestimmten physiologischen Prozessen und leitenden anatomischen Strukturen zugeordnet.
Dabei erfolgt die Aufnahme sensibler Reize durch spezielle Nervenendigungen wie Ruffini-Körperchen, Merkel-Zellen und Muskelspindeln und die Weiterleitung über Nerven in die Hinterwurzel des Spinalganglions. Von dort werden die sensiblen Reize über anatomische Strukturen des Rückenmarks zu höheren Zentren, unter anderem Thalamus und Großhirnrinde weitergeleitet.
Für die Leitung sensibler Impulse aus der Peripherie in das ZNS sind folgende Bahnen des Rückenmarks verantwortlich:
In der Neurologie sind die anatomisch-physiologischen Zuordnungen gültig, reichen jedoch nicht zur Differenzierung und Zuordnung von Sensibilitätsstörungen aus. Es wird daher bei der Sensibilitätsprüfung die unterschiedlichen Qualitäten der Sensibilität genauer untersucht. Unterschieden werden:
Weiterhin werden von diesen "einfachen" Qualitäten zusätzliche komplexe Sensibilitätsleistungen wie Stereognosie und sensibler Funktionswandel unterschieden.
Die Prüfung der Sensibilität erfolgt im Rahmen der neurologischen Untersuchung unterteilt in die einzelnen sensiblen Qualitäten.
Sind eine oder gar mehrere Qualitäten gestört, so kann anhand von Lokalisation und Qualität der Störung eine Lokalisationsdiagnostik bzw. Ursachenforschung erfolgen. Grundsätzlich sollte jede Prüfung der Sensibilität im Seitenvergleich erfolgen.
Die Berührungsempfindung wird mit dem Finger, einem Wattebausch oder einem Pinsel geprüft. Jeweils im Seitenwechsel werden Berührungen mit dem Pinsel gesetzt und der Patient befragt, ob die Berührung wahrgenommen wird oder nicht.
Herabgesetzte Wahrnehmungen der Berührung werden als Hypästhesie oder Anästhesie bezeichnet.
Die Temperaturempfindung wird mithilfe von zwei wärmeleitenden Behältern (z.B. Glas), gefüllt mit kaltem und warmem Wasser geprüft. Der Patient wird nach Auflegen von Warm oder Kalt nach der Wahrnehmung befragt.
Eine herabgesetzte Wärmeempfindung wird als Thermhypästhesie oder Thermanästhesie bezeichnet.
Das Vibrationsemfpinden wird durch Auflegen einer schwingenden Stimmgabel an knöcherne Punkte geprüft. Dabei bietet sich das Auflegen an verschiedenen Punkten an, unter anderem Processus mastoideus, Patella, Handwurzelknochen und Dornfortsätzen an.
Eine herabgesetzte Vibrationswahrnehmung wird als Pallhypästhesie oder Pallanästhesie bezeichnet.
Die Schmerzempfindung wird mit einer Nadel geprüft. Dabei werden im Wechsel der stumpfe und der spitze Anteil der Nadel aufgesetzt. Der Patient soll dabei stumpf und spitz (Schmerz!) unterscheiden.
Eine gesteigerte Schmerzempfindung wird als Hyperalgesie, eine herabgesetzte Schmerzempfindung als Hypalgesie oder Analgesie bezeichnet.
Mißempfindungen, die nicht Schmerzen entsprechen, werden auch als Parästhesie bezeichnet. Eine generalisierte Schmerzwahrnehmung wird als Hyperpathie bezeichnet.
Die Bewegungsempfindung wird beispielsweise durch Fassen eines Fingers oder einer Zehe im Mittelgelenk geprüft. Dabei wird der Finger passiv im Grundgelenk gebeugt und gestreckt. Der Patient soll jeweils angeben, ob eine Streckung oder Beugung erfolgt.
Die Lageempfindung wird bei verschlossenen Augen und liegendem Patienten untersucht. Ein Arm oder Bein wird jeweils passiv angehoben und bei verschlossenen Augen in einer bestimmten Position vom Patienten fixiert. Zur Prüfung soll dann die jeweils andere Extremität in die gleiche Position wie die passiv bewegte Extremität gebracht werden.
Die Kraftempfindung wird durch wechselseitiges Halten und Heben definierter Gewichte geprüft.
Die erwähnten komplexen Leistungen der Sensibilität (Stereognosie und Sensibler Wandel) werden durch spezielle Untersuchungstechniken wie beispielsweise dem Ertasten von Gegenständen, Dermolexie und Zwei-Punkt-Diskrimination geprüft.


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